STIMME AUS STUTTGART
Rat fremder Propheten

Peter Merk ist Chefvolkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Manchmal zeigen Worte noch Wirkung – so geschehen bei der jüngsten Titelstory des britischen Economist zur deutschen Wirtschaft. Dabei hat die Zeitschrift im Grunde nichts Neues zu berichten, sieht man einmal davon ab, dass sie ihren vor drei Jahren publizierten Fundamentalverriss Deutschlands jetzt korrigiert. Manchmal ist es aber wichtiger, wer etwas sagt, als was er sagt. Im Kern geht es darum, dass sich die deutsche Industrie in den letzten Jahren respektable Wettbewerbsvorteile erarbeitet hat.

Der Irrtum vom Economist liegt aber darin, dass er die führenden deutschen Unternehmen gleichsetzt mit der deutschen Volkswirtschaft. Um die steht es bekanntlich nicht zum besten. Die großen Konzerne erzielen einen immer größeren Anteil ihrer Umsätze und erst recht ihrer Gewinne im Ausland.

Gleichwohl: Der Economist dürfte so manche ausländische Adresse veranlassen, sich noch mehr an der deutschen Börse zu engagieren. Angesichts der bereits aus biblischer Zeit bekannten Tatsache, dass kein Prophet im eigenen Lande geschätzt wird, ermutigt dieser Beitrag vielleicht sogar inländische Anleger,, wieder beherzter in Aktien zu investieren. Noch dürfte es dafür nicht zu spät sein. Dass deutsche Dividendentitel absolut gesehen und im Vergleich zu anderen Anlageformen extrem günstig bewertet sind, gilt immer noch. Doch wer noch nicht eingestiegen ist, sollte jetzt das Wahlergebnis abwarten, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

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