Stimme aus Stuttgart
Zeit zum Aufwachen

Derzeit geschehen wunderliche Dinge. Die Auslandsverschuldung der USA und die Devisenreserven der asiatischen Notenbanken, die seit 2002 die dominante Käufergruppe von US-Staatsanleihen sind, steigen in einem historisch nicht gekannten Ausmaß. Parallel dazu wächst die weltweite Geldmenge wesentlich stärker als die Weltwirtschaft.

Die Amerikaner scheinen ihr individuelles Kreditverhalten konsequent auf ihr Land auszudehnen. Sie stehen bei den Ausländern zwar in der Kreide, leben aber weiter prächtig auf Pump. Prächtig deshalb, weil ihre Gläubiger überwiegend auf Dollar lautende Nominalforderungen, aber kaum reale US-Vermögenstitel besitzen. Erfolgt dann irgendwann eine kräftigere Dollarabwertung, ist dies eine durchaus bewährte Form der Sanierung.

Derweil verkaufen wir ein großes Immobilienpaket nach dem anderen – vornehmlich an US-Investmentbanken – und lassen auch von Aktien, sprich Anteilen an realen Unternehmen, die Finger. Die viel kritisierte Deutschland AG hat sich inzwischen fast vollständig aufgelöst. Man mag es bedauern oder nicht. Mangels anderer inländischer Aktionärsgruppen hat dies aber ein großes Loch in der Corporate Governance hinterlassen, durch das inzwischen immer mehr unerbetene Gäste schlüpfen.

Deutsche Investoren sollten aufwachen: Man muss nicht unbedingt gleich in historischen Krisenszenarien denken, um Sachkapitalanlagen hierzulande wieder mehr Stellenwert beizumessen.

*Peter Merk ist Chefvolkswirt Landesbank Baden-Württemberg.

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