Stimmenrekorder der Pittsburgh-Maschine geborgen
US-Abfangjäger kamen zu spät

Die amerikanische Luftwaffe hatte am Dienstag nach den ersten Hinweisen über gekaperte Flugzeuge Abfangjäger in Bewegung gesetzt. Die Kampfjets seien jedoch erst in New York eingetroffen, als die beiden Flugzeuge bereits in das World Trade Center gerast waren, berichtete die "Washington Post" am Samstag.

dpa/rtr/ap WASHINGTON/SOMERSET/NEW YORK. Nach Angaben des Pentagon sei das Verteidigungskommando für den amerikanischen Luftraum (Norad) am Dienstag um 8.38 Uhr alarmiert worden, dass ein Flugzeug entführt worden war. Zwei F-15-Abfangjäger seien um 8.52 Uhr vom Air Force-Stützpunkt Otis in Cape Cod vor der Küste von Boston aufgestiegen. Die gekaperte Maschine der American Airlines raste jedoch bereits um 8.40 Uhr in das World Trade Center. Als der zweite Turm des World Trade Centers um 9.02 Uhr von einer Maschine der United Airlines getroffen wurde, seien die Abfangjäger noch rund 100 Kilometer von New York entfernt gewesen.

Als die Nachricht einer weiteren gekaperten Maschine mit Kurs auf Washington kam, stiegen um 9.35 Uhr zwei F-16-Abfangjäger vom Stützpunkt Langley in Virginia auf. American Airlines-Flug 77 stürzte jedoch bereits zwei Minuten später auf das Pentagon. Die beiden Abfangjäger hätten die vierte entführte Maschine mit Kurs auf Washington abfangen können, schrieb die Zeitung unter Berufung auf den stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz. Das Flugzeug stürzte jedoch 80 Kilometer südlich von Pittsburgh ab, möglicherweise, weil Passagiere an Bord die Entführer überwältigten.

Nach Informationen der Zeitung trainieren die Air Force-Piloten das Abfangen gekaperter Flugzeuge. Allerdings sei bei den Übungen immer angenommen worden, dass der Vorfall über dem Atlantik oder Pazifik passiere und genügend Zeit bleibe, um das Weiße Haus vor einer Attacke zu kontaktieren.

US-Luftwaffe hätte viertes Flugzeug abschießen können

Indes sagte der stellvertretende US-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz, die US-Luftwaffe hätte das bei Pittsburgh (Pennsylvania) abgestürzte entführte Flugzeug auch abschießen können. Wolfowitz erklärte am Freitag im Fernsehen, die Luftwaffe habe das dann in Pennsylvania abgestürzte Flugzeug verfolgen können. "Ich glaube, es war die Tapferkeit der Passagiere an Bord, die die es runter brachten; aber die Luftwaffe war in einer Position es zu tun, wenn es hätte getan werden müssen." Das Flugzeug war eines von vier entführten Maschinen die am Dienstag zu Terrorangriffen missbraucht worden waren.

Wolfowitz gab keine näheren Einzelheiten über den Luftwaffeneinsatz. Auf die Frage, ob es der Luftwaffe erlaubt worden wäre, das Flugzeug abzuschießen, sagte Wolfowitz: "Ich denke, es war zu diesem Zeitpunkt (die drei anderen Flugzeuge waren bereits auf ihre Ziele gestürzt) ganz klar, dass das Flugzeug nicht unter Kontrolle des Piloten stand und größeren Schaden hätte anrichten sollen." Die letzte Entscheidung hätte aber beim Präsidenten gelegen.

Passagiere wurden an Flugzeugsitze gefesselt

Mit Blick auf die Passagiere, die offenbar versucht hatten, die Entführer zu überwältigen, sagte Wolfowitz: "Es gibt so viele großartige Amerikaner, die Großartiges leisten, und die Menschen in dem Flugzeug gehören eindeutig zu diesen.

Die Terroristen haben Passagiere in ihrer Gewalt offenbar gefesselt. Die "New York Times" berichtete am Samstag, ein Mitglied der Suchmannschaften habe in den Trümmern des Gebäudes die Leiche einer Stewardess gefunden, deren Hände zusammengebunden waren. Ein weiterer Helfer berichtete der Zeitung, er habe die sterblichen Überreste von Menschen gefunden, die offenbar an Flugzeugsitze gefesselt gewesen seien. Die Behörden in New York teilten mit, auf einem Dach sei ein gefesseltes Paar Hände gefunden worden.

Stimmenrekorder der Pittsburgh-Maschine geborgen

Bergungsmannschaften haben inzwischen am Freitag den Stimmenrekorder des in Pennsylvania abgestürzten Passagierflugzeugs sicher gestellt. Von der Auswertung der Gespräche im Cockpit erhoffen die Ermittler Aufschluss über die letzten Minuten vor dem Aufprall der Maschine. Die Boeing ging in einem Waldstück südlich von Pittsburgh nieder. Der Flugdatenschreiber des Flugzeug wurde bereits am Donnerstag gefunden. Die so genannte "Black Box" wurde nach Angaben einer FBI-Sprecherin in 7,5 Meter Tiefe im Einschlagskrater entdeckt. Er scheine in relativ gutem Zustand zu sein. Er wurde zur Auswertung Verkehrssicherheitsbehörde nach Washington gebracht. Auch von der ins Pentagon in Washington gerasten Maschine wurden bereits sowohl der Flugdatenschreiber als auch der Stimmenrekorder geborgen.

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