Stimmiges Konzept
Porsche erfährt kaum Gegenwind

Der Stuttgarter Sportwagenbauer verwöhnt seine Aktionäre mit Erfolgen. Aus der mangelnden Transparenz und der Ausweitung der Modellpalette ergeben sich aber auch Risiken.

Die Telefonnummer von Porsche in Stuttgart beginnt mit der Zahlenfolge 911, die auch das legendäre Erfolgsmodell des Unternehmens ziert. Seit gut einem halben Jahrhundert bauen die Schwaben Sportwagen nach einem technisch ausgefallenen Konzept - luftgekühlter Boxermotor hinten - und einem ebenso ausgefallenen Design; in beiden Punkten besteht nicht zufällig Ähnlichkeit mit dem von Ferdinand Porsche entworfenen VW Käfer. Ende der 80er-Jahre hatte sich das Unternehmen in anders konzipierte Modellreihen verirrt und war damit Anfang der 90er-Jahre in eine existenzbedrohende Krise geraten. Die Rückkehr zum Ur-Porsche und dessen Weiterentwicklung brachten das Unternehmen zurück auf die Erfolgsspur. Auch der Boxster, das zweite aktuelle Modell neben dem 911, ähnelt ihm, wenn man davon absieht, dass der Motor hinter den Sitzen statt ganz im Heck sitzt.

Ein stimmiges Konzept, eine relativ homogene Zielgruppe, eine Marke - das ist eine klare Erfolgsgeschichte, wie sie auch Anleger und Analysten lieben. Vor allem, weil die Zahlen stimmen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/01, das am 31. Juli endete, legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf mehr als acht Milliarden Mark zu, der Gewinn vor Steuern sogar um 17 Prozent auf eine Milliarde. Wichtigster Markt sind die USA. Dort fanden die Porsche-Modelle 24 545 Käufer - fast genauso viele wie in allen anderen Ländern zusammen. Zudem fällt eine kräftige Steigerung um 20 Prozent in den "anderen" Ländern außerhalb der USA und Deutschlands besonders ins Auge. Obwohl die Boomzeiten in der weltweiten Autobranche vorbei sind, scheint die Erfolgssträhne von Porsche nicht abzureißen.

Kein Wunder, dass die Aktie sich 2001 relativ gut gehalten hat und von vielen Analysten geschätzt wird. Die Hypo-Vereinsbank hat in einer Studie von Mitte August sogar das Kursziel von 480 auf 560 Euro erhöht, was einer Steigerung von fast 50 Prozent entsprechen würde. Die BHF Bank ist mit einem Kursziel von 480 Euro, das im Sommer 2002 erreicht werden soll, nicht ganz so optimistisch.

Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Frank Biller von der BW-Bank hat die Aktie nur als neutral eingestuft. Seine Argumentation: Bei einem sinkenden Dollarkurs dürften Zusatzerträge wegfallen. Außerdem fürchtet er, dass eine Nachfrageschwäche in den USA auch Porsche treffen könnte.

Die Abhängigkeit des Unternehmens vom Dollar ist ein nicht ganz leicht zu durchschauendes Problem. Wenn der Dollar stark ist, gilt Porsche als Gewinner. Wenn er schwach ist, verweisen viele Analysten dagegen auf die hohe Absicherung, die größere Auswirkungen verhindere. Die WestLB erklärt diesen scheinbaren Widerspruch mit dem Einsatz von Optionen, die bei einem schwachen Dollar ausgeübt werden können, bei einem starken Dollar aber keinen zusätzlichen Währungsgewinn verhindern. Eine solche Absicherung kostet freilich Geld, aber Porsche kann sie sich mit seiner hohen Umsatzrendite leisten. Das Unternehmen selbst hält die Details seiner Absicherungsstrategie geheim, wie eine Anfrage in Stuttgart ergab.

Rezessionsfeste Zielgruppe

Ob eine schwächere Nachfrage in den USA Porsche treffen würde, ist noch nicht zu erkennen. Zum einen sind die amerikanischen Verbraucher trotz der schwachen Börse und der Einbrüche in den Technologiebranchen bisher immer noch recht ausgabenfreudig. Außerdem spricht Porsche eine sehr spezielle Zielgruppe an, die so wohlhabend ist, dass sie möglicherweise auch eine Rezession ganz gut vertragen könnte. Mitte der Woche schreckte das Unternehmen mit der Meldung eines schwachen August-Verkaufs für den 911er in den USA die Märkte kurzfristig auf. Als Grund wurde aber der Übergang auf eine erneuerte Modellversion angegeben - im September soll die Delle daher schon ausgebügelt sein. Die Zahlen für den September darf man daher mit Spannung erwarten.

Es ist anzunehmen, dass die Märkte dem Unternehmen eine Enttäuschung sehr übel nehmen würden. Denn Porsche hat sich ja geweigert, Quartalsberichte abzuliefern und wird deswegen in diesem Monat noch aus dem Aktienindex MDax gestrichen. Viele Investoren haben diesen Mangel an Transparenz, der vor allem in der angelsächsischen Welt bei anderen Unternehmen auf starken Widerwillen stoßen würde, recht gelassen aufgenommen. So lange der Erfolg anhält, dürfte Porsche sich mit seinem Alleingang nur wenig Nachteile einhandeln. Wenn es Probleme gibt, werden die Investoren aber möglicherweise umso ungnädiger reagieren.

Die längerfristigen Aussichten hängen vor allem von dem neuen Porsche-Geländewagen Cayenne ab, der ab Mitte 2002 gebaut werden und überwiegend in den USA verkauft werden soll. Möglicherweise wird es danach sogar noch ein viertes Modell geben. Doch darüber wird offenbar erst entschieden, wenn erste Verkaufsergebnisse des Geländewagens vorliegen. Der Cayenne gilt als sehr gewinnträchtig, wie zum Beispiel die BHF-Bank betont, zumal zusammen mit Volkswagen dafür eine gemeinsame Plattform entwickelt wird. Aber das Risiko dieses Modells ist auch nicht zu übersehen: Porsche entfernt sich damit weiter von seinen bisherigen Modellen als je zuvor. Das kann funktionieren - Mercedes und BMW bauen auch erfolgreich Geländewagen. Andererseits waren diese Autokonzerne in ihrer Modellpolitik nie so eng fokussiert wie Porsche. Analyst Alfred Schoengraf vom Bankhaus Delbrück sagt daher: "Ich frage mich, ob das nicht dem Image schadet."

Fazit: Porsche bietet durchaus noch weitere Wachstumschancen. Der Anleger muss allerdings mit einem Mangel an Transparenz leben.

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