Stimmrecht für Aktionäre
Vendex Aktionäre proben den Aufstand

Der US-Investor Guy Wyser-Pratte will den niederländischen Konzern in die Knie zwingen.

BRÜSSEL. Es rumort unter niederländischen Aktionären und institutionellen Investoren. Sie haben es satt, keinen oder wenig Einfluss auf strategische Unternehmensentscheidungen zu haben. Seit zwei Jahren mühen sie sich bei führenden niederländischen Konzernen ein Stimmrecht für ihre Aktien zu bekommen.

Jetzt haben sie Verstärkung aus den USA erhalten. Der berüchtigte amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte hat sich zu 2,1% am Amsterdamer Einzelhandelskonzern Vendex KBB N.V. beteiligt und will dessen Corporate Governance anprangern. Er hofft auf Unterstützung anderer Aktionäre bei der Hauptversammlung am 15. Mai.

Stein des Anstoßes ist das "Strukturregime", mit dem sich rund drei Viertel aller Börsenkonzerne gegen unerwünschten Einfluss von Aktionären schützen. Wyser-Pratte will, dass Vendex dies abschafft. Er argumentiert zudem, die Aktie von Vendex wäre nicht so unterbewertet, wenn das Unternehmen transparenter wäre. Auch die Aktionäre der Zeitarbeitsgesellschaft Vedior N.V. lehnten sich am Freitag auf der Hauptversammlung in Amsterdam gegen ihre Machtlosigkeit auf.

Beide Konzerne geben nur Aktienzertifikate ohne Stimmrecht aus. Zusätzlich haben die Vorstände das recht, Vorzugsaktien auszugeben, um sich gegen eine feindliche Übernahme zu wehren. Ohne Rücksprache mit den Aktionären könnte die Vedior-Führung das heutige Aktienkapital fast verdoppeln. Die Aufsichtsräte sind überdies unabhängig: Sie wählen sich selbst ohne Votum von Aktionären und Beschäftigten.

Vendex, Vedior und zahlreiche andere namhafte Multinationals, wie Ahold und Getronics und VNU, gleichen wegen solcher Konstruktionen wie uneinnehmbare Festungen. Rühmliche Ausnahmen sind Unilever und Philips. Beim internationalen Corporate Governance-Ranking des belgischen Instituts Déminor ist das Land daher oft das Schlusslicht.

Das Strukturregime haben selbst die mächtigen Pensionsfonds nicht beseitigen können. Sie verwalten zusammen ein Vermögen, das das niederländische Inlandsprodukt überschreitet. Nur wenige investieren in Vedior und versuchen so Druck auszuüben. Doch Vedior-Vorstandsvize Zach Miles erteilte ihnen auf der Hauptversammlung eine Abfuhr: Er sei "gänzlich glücklich" mit seinen Aktionären - will sagen: "wir brauchen euch nicht".

Wyser-Pratte wolle anders als die Pensionsfonds nur, dass der von ihm angezettelte Aufruhr das Interesse an Vendex und damit den Kurs steigere, meinen Analysten. Dann werde er rasch den Gewinn mitnehmen. So sei es bei seinen Investitionen in Frankreich Belgien und Deutschland gelaufen. Bei Rheinmetall strich Wyser-Pratte auf die Art binnen Jahresfrist einen Kursgewinn von 50% ein.

Quelle: Handelsblatt

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