Stimmrechtsunterschiede sollen reduziert werden - Großaktionäre fordern Kompensation
Neue Machtverhältnisse bei Ericsson

Die Ericsson-Großaktionäre sind offenbar bereit, auf einen Teil ihrer Macht zu verzichten. So soll die Zustimmung der anderen Aktionäre für die geplante Kapitalerhöhung gewonnen werden.

STOCKHOLM. Die Machtverhältnisse beim angeschlagenen schwedischen Telekommunikationsausrüster Ericsson werden sich verschieben. Die Großaktionäre haben signalisiert, die derzeit großen Stimmrechtsunterschiede und damit ihre Macht zu reduzieren - wenn die Kompensation stimmt.

Damit geben die beiden Hauptaktionärs-Sphären um Handelsbanken und die Industriellenfamilie Wallenberg einer Forderung nach, die schon seit Jahren erhoben wird. Der Grund für ihr Einlenken ist die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 3 Mrd. $. Am heutigen Donnerstag will Ericsson auf seiner Hauptversammlung grünes Licht für die größte Aktienemission in der schwedischen Wirtschaftsgeschichte bekommen.

Im Vorfeld erklärten sich die Großaktionäre bereit, die Stimmrechtsunterschiede zwischen den A- und B-Aktien zu verringern. Zusammen kontrollieren die zu Handelsbanken gehörende Industrivärden und die Wallenberg-Holding Investor 80,6 % der Stimmrechte bei Ericsson, aber nur 8,4 % des Kapitals. Bisher hat eine A-Aktie eine Stimme, während ein B-Aktien-Besitzer nur auf eine 1000stel Stimme kommt. Bis zur nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2003 soll ein Vorschlag präsentiert werden, der den Besitzern von B-Aktien eine Zehntelstimme einräumt.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der größten Ericsson-Aktionäre unter Leitung von Ericsson-Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Treschow ist eingesetzt worden, um einen Vorschlag zur Veränderung der Stimmrechte auszuarbeiten. "Alle Großaktionäre sind sich einig, dass der Stimmrechtsunterschied von einem Tausendstel in ein Zehntel verändert werden soll", erklärte ein Vertreter der Kapitalverwaltungsgesellschaft Alecta, die 3,4 % des Ericsson-Kapitals hält.

Ungeklärt ist weiterhin die Frage, wie die durch die Stimmrechtkorrektur geschwächten Hauptaktionäre entschädigt werden. So würde der Stimmrechtsanteil von Investor und Industrivärden von derzeit 80,6 % auf etwa 35 % sinken. Diesen Machtverlust wollen sich die beiden Großaktionäre teuer bezahlen lassen. Verständlich, denn immerhin liegt der Schlüssel zur Macht der Industriellenfamilie Wallenberg in den Stimmrechtsaktien. Viele schwedische Unternehmen wie Electrolux oder die Bank SEB kontrolliert die Familie über die stimmrechtsstarken A-Aktien, obwohl ihre Investmentgesellschaft Investor nur einen geringen Kapitalanteil an den Unternehmen hält. Eine Aufgabe dieses Prinzips bedeutet für die einflussreiche Familie gleichzeitig einen erheblichen Machtverlust.

Mehrere der größeren Ericsson-Aktionäre haben seit langem eine Korrektur bei den Stimmrechte gefordert. Bisher waren sie auf vollkommen taube Ohren gestoßen. Doch im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung mussten die Wallenberg - und Handelsbanken-Sphären zumindest Verhandlungsbereitschaft bei diesem strittigen Punkt signalisieren. Denn einige der größeren Aktionäre hatten zuvor erklärt, sie würden nur zeichnen, wenn es eine Veränderung der Stimmrechte geben. Nach dem Einlenken von Investor und Industrivärden gilt die Zustimmung für die Kapitalerhöhung als sicher.

Der Telekommunikationskonzern, der rote Zahlen schreibt, hatte im Frühjahr die Neuemission vorgeschlagen, um an einer Konsolidierung der Branche aktiv teilnehmen zu können. Außerdem wird ein Teil der Mittel zur Schuldentilgung verwendet werden. Ericsson-Chef Kurt Hellström hatte diese Woche erklärt, dass mit einer Erholung der Branche schlimmstenfalls nicht einmal im kommenden Jahr gerechnet werden könne.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%