Stimmung bedrückt
Automobil-Ausstellung öffnet für Fachbesucher

Die internationale Automobil-Ausstellung (IAA) öffnet am heutigen Donnerstag in Frankfurt am Main ihre Tore für Fachbesucher. Wie der VDA mitteilte, sind die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und alle gesellschaftliche Anlässe abgesagt worden. Der Schock über die Terrorangriffe in den USA sitzt noch tief.

rtr/dpa FRANKFURT. Wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte, sind erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für die fachbesucher getroffen worden. Außerdem soll um 12 Uhr in zwei Schweigeminuten der Opfer der Terroranschläge in den USA gedacht werden.Auf gesellschaftliche Anlässe und Showeinlagen wird zunächst verzichtet. Am Samstag öffnet die IAA auch für den Publikumsverkehr. Die Auto-Show endet am 23. September.

Der gestrige Tag wird vielen IAA Veranstaltern und Mitarbeitern noch lange im Gedächtnis bleiben. Manager sagen Interview-Termine ab, und der veranstaltende Verband der Automobilindustrie (VDA) streicht die gesamte Eröffnungsfeier, auf der Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) heute eine Rede halten sollte.

Der Schock sitzt immer noch tief und drückt die Stimmung.

"Das ist unvorstellbar, wie in einem schlechten Film", sagt Hubertus Dieckmann, Mitarbeiter am Mercedes-Stand. "Wahnsinn", sagt er immer wieder und reibt sich das Gesicht. "Die Stimmung ist bedrückt", stellt auch Dennis Papin fest, der auf der IAA Video-Großleinwände für die Autofirmen installiert. Für die Nachrichtenbilder würden sich die Geräte gut eignen, aber: "So schnell baut man die nicht auf."

Mobiles Internet im A 190 half kaum weiter

Das mobile Internet, das die Autohersteller zunehmend propagieren, hilft dem informationshungrigen Publikum ebenfalls kaum weiter. Auf den kleinen Displays der Geräte, wie sie etwa im Mercedes A 190 installiert sind, muss man eine Weile suchen, bis man einen Überblick hat. Noch magerer präsentiert sich ein Internet-Großbildschirm am Ferrari-Stand. Die Adresse www.cnn.com hat jemand eingetippt, doch der Zugang zum Angebot des Nachrichtensenders scheiterte an der Überlastungs des Internets.

So bleiben nur die vielen Autoradios in den Ausstellungsfahrzeugen - und zwei Fernseher, die CNBC-Mitarbeiter neben ihrem Übertragungswagen an Halle 5 auf einfache Biertische gestellt haben. Binnen Minuten sammeln sich Hunderte davor und schauen auf die Bilder der rauchenden Trümmer des World Trade Center. Ein junger Mann diskutiert heftig per Handy: "Der Pilot kann das gar nicht gewesen sein, keine Chance." In einem Grüppchen heißt es nach ein paar Minuten: "Komm', wir fahren jetzt nach Hause."

VW-Chef zeigte sich besorgt

Angesichts der Katastrophe kreisen die Gedanken vieler um die Zukunft - gleich, ob kleiner IAA-Arbeiter oder großer Firmenboss. Der designierte-Volkswagen Chef Bernd Pischetsrieder konstatiert: "Da bin ich ehrlich gesagt sprachlos, weil das Auswirkungen hat, die man noch nicht überschauen kann." Er hoffe auf eine besonnene Reaktion der USA, fügt er hinzu, während er sich den blauen Audi-Prototypen Avantissimo zeigen lässt. Der scheidende VW-Chef Ferdinand Piech nennt den Vorfall sehr schlecht für die ganze Welt. Er habe sich allerdings auch bereits darum gekümmert, VW gegen mögliche wirtschaftliche Folgen abzusichern. "Der ersten Anruf, den ich gemacht habe, galt der Verbesserung unseres Hedging", sagt er.

Daimler-Chrysler suchte Kontakt zu den Büros in N.Y.

Bei Daimler-Chrysler haben Mitarbeiter zunächst große Probleme, Kontakt zu ihren Büros in New York aufzunehmen. Immerhin sind sie relativ weit entfernt von dem World Trade Center angesiedelt. Andere Manager sagen sichtlich geschockt Interviews ab. "Heute kann ich kein Gespräch mehr führen", sagt ein Vorstandsmitglied und lässt Journalisten stehen. Die Betroffenheit ist überall spürbar, denn praktisch jeder Autokonzern hat wichtige Bereiche in den USA - ob Daimler-Chrysler mit seiner US-Tochter Chrysler, Opel und Ford mit ihren US-Mutterkonzernen oder Firmen wie VW oder Audi als Exporteure.

Die größte Branchenschau geht weiter, wenn auch unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen und ohne feierliches Tubabo .

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