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Stimmung besser als die Lage

Das ist ein Hammer: Da mehren sich die Signale wirtschaftlicher Stagnation in Europa – und der monatliche Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zu den Konjunkturerwartungen in Deutschland macht einen Sprung, der weit über die Vorhersagen der Analysten hinaus geht. Mehr noch: Der vorhin veröffentlichte Juli-Index steht nun bei 37,0 Punkten und damit erstmals seit langem wieder über seinem historischen Mittelwert von 34,2. Was heißt das? Die Stimmung, die Erwartungshaltung der Experten, ist viel besser als die Lage, und das spiegelt sich ja auch im Verlauf der Aktienkurse wider, ist doch die Börse stets bemüht, die Zukunft vorweg zu nehmen.

Warum noch eine Verstärkung des Optimismus, der sich schon im Vormonat in einem steigenden ZEW-Indikator niedergeschlagen hatte? Der erste entscheidende Impuls ging von der Ankündigung vorgezogener Bundestagswahlen aus, denn Wirtschaft und Börse setzen auf einen Regierungswechsel. Jetzt kommt die anhaltende Schwäche des Euros hinzu, der für die Exportindustrie wie eine Konjunkturprogramm wirkt.

Aber: Vorsicht, Vorsicht – wir dürfen die extrem hohen Ölpreise, die Defizite Europas und die übrigen Probleme nicht gering schätzen! Der ZEW-Indikator beschreibt keine harten Fakten, sondern Einschätzungen. Stimmungen. Und die Börse gleicht die Realität mit ihren zuvor eingepreisten Erwartungen ab. Mit anderen Worten: Längerfristig weiter aufwärts wird es mit den Kursen nur dann gehen, wenn sich nicht nur die Stimmung, sondern auch die Lage spürbar bessert.

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