Stimmung bessert sich weiter
Ifo-Index stärker gestiegen als erwartet

Ein deutlich verbessertes Wirtschaftsklima im Februar lässt Volkswirte eine baldige Konjunkturerholung in Deutschland erwarten. Die Unternehmen schätzten nach Daten des Ifo-Instituts vor allem ihre Geschäftsaussichten optimistischer ein, die aktuelle Lage beurteilten sie allerdings weiterhin skeptisch.

Reuters FRANKFURT. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland stieg im Februar mit 88,7 nach 86,2 Punkten im Januar nach Angaben des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zum vierten Mal in Folge. Das Stimmungsbarometer lag über den Prognosen der Analysten und erreichte den höchsten Stand seit sechs Monaten. Der Euro verzeichnete darauf nur einen kleinen Ausschlag nach oben. Der Aktienmarkt baute seine Kursgewinne aus.

Ifo: Deutsche Wirtschaft am Wendepunkt



Nach Worten von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn und Ifo-Volkswirt Gernot Nerb wird sich die deutsche Wirtschaft bald erholen. "Der Wendepunkt naht", erklärte Sinn. Das Konjunkturbild festige sich und man könne von einer beginnenden Erholung sprechen, erläuterte Nerb im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Es spreche einiges dafür, dass sich dieser Trend fortsetze. Allerdings gäben die Daten noch keinen Hinweis auf die Dynamik der Erholung. Vor allem in der Industrie und im Großhandel habe sich das Geschäftsklima verbessert. Im Bausektor sei die Stimmung jedoch unverändert schlecht, und im Einzelhandel habe sich das Klima sogar deutlich eingetrübt.

Wachsender Optimismus



Besonders den wachsenden Optimismus der Unternehmen werteten Analysten als Zeichen für die beginnende Erholung. "Ich sehe den Aufschwung abgesichert", sagte Volker Nitsch, Volkswirt der Bankgesellschaft Berlin. Die Geschäftserwartungen für die alten Bundesländer sprangen auf 101,0 von 94,8 im Januar und erreichten damit den höchsten Stand seit Dezember 2000. Auch in Ostdeutschland sorgte die gewachsene Zuversicht für einen Anstieg des Stimmungsbarometers. Zuvor hatten schon andere Indikatoren positive Signale für die künftige Wirtschaftslage gegeben. Die Bundesbank hatte einen Aufschwung für das zweite Quartal vorhergesagt. Nun deute alles darauf hin, dass schon im ersten Quartal mit Wachstum zu rechnen sei, sagte Nitsch.

Die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hängt Analysten zufolge allerdings auch davon ab, wie schwach die letzten drei Monate des vergangenen Jahres tatsächlich ausgefallen sind. Als sicher gilt, dass die Wirtschaftsleistung zum Vorquartal wie schon im dritten Vierteljahr 2001 geschrumpft ist und sich Deutschland damit nach gängiger Definition in einer Rezession befunden hat. Das Statistische Bundesamt gibt die BIP-Zahlen am Mittwoch bekannt. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte zuletzt gewarnt, die Rezession in Deutschland könne sich wegen der noch unsicheren weltweiten Konjunktur verschärfen.

Aktuelle Lage weiter schwach

Die vom Ifo befragten gut 7000 Unternehmen bewerteten ihre gegenwärtige Lage allerdings wieder schlechter. Der Index der Geschäftsbeurteilungen in Westdeutschland betrug im Februar 76,8 Punkte nach 78,0 im Januar. So zeichnete der Konzern Thyssen-Krupp ein düsteres Bild. Noch bestimme die Konjunkturschwäche die Lage des Unternehmens, dessen Geschäftsjahr im September endet. "Eine Erholung der weltweiten Wachstumskräfte erwarten wir nicht vor dem zweiten Halbjahr 2002." Es werde deshalb immer unwahrscheinlicher, im laufenden Geschäftsjahr den Umsatz des Vorjahres zu erreichen, teilte das Unternehmen bei Bekanntgabe seiner Quartalsergebnisse mit.

Weitere Zinssenkung unwahrscheinlich



Analysten sahen mit den positiven Konjunkturdaten aus der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone jüngste Äußerungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg bestätigt: "Wir sehen Anhaltspunkte dafür, dass ein Erholungsprozess begonnen hat", hatte Duisenberg in einem Zeitungsinterview gesagt. An den Finanzmärkten wie unter den Volkswirten verfestigte sich damit die Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen nicht noch einmal senken wird. Ifo-Volkswirt Nerb bezeichnete eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte allerdings als angebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%