Stimmung der Musikbranche gedämpft
Musikkonzerne drängen ins Internet

Jean-Marie Messier macht der Musikbranche Mut: "Das Internet wird der nächste Wachstumsmotor für die Musikindustrie sein", verkündet der Chef des französischen Medienkonzerns Vivendi Universal SA zum Auftakt der 13. Auflage der Popkomm am Freitag in Köln.

Reuters KÖLN. Die Teilnehmer der nach Veranstalterangaben weltgrößten Musikmesse konnten die Seelenmassage gut gebrauchen. Nach den jüngsten Umsatzeinbrüchen ist die Stimmung in der Branche eher verhalten.

Der Präsident der Plattenfirma BMG Europe, Thomas Stein, sprach gar von einer dramatischen Entwicklung beim Geschäft mit der Musik, die zu einem weiteren Stellenabbau führen könnte. "Es schaut nicht besonders rosig aus", klagt Stein. Als Hauptursache für ihre wirtschaftlichen Probleme haben die Plattenfirmen das Kopieren von Stücken und Alben per CD-Brenner sowie das illegale Herunterladen aus dem Internet ausgemacht, beispielsweise über Tauschbörsen wie Napster.

Stein verwies auf eine Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Danach haben illegale Kopien bei der deutschen Plattenindustrie im vergangenen Jahr zu Umsatzeinbußen von 3,3 Mrd. DM geführt. Der Untersuchung zufolge wurden von den im Jahr 2000 verkauften 200 Mill. CD-Rohlingen rund 110 Mill. für Kopien von Musik genutzt. Außerdem seien 300 Mill. Titel illegal aus dem Internet heruntergeladen worden.

Pressplay startet Mitte September

Nun wollen die Musikkonzerne das Internet mit eigenen Angeboten zurückerobern. Vivendi-Chef Messier gab während der Popkomm bekannt, dass das gemeinsam mit Sony Music entwickelte Internet-Angebot Pressplay Mitte September starten soll. Über diese Plattform können Nutzer gegen Gebühr Musiktitel aus dem Internet herunterladen oder auch online anhören. Partner bei Pressplay sind unter anderem die Internetportale Yahoo und MSN von Microsoft. "Es ist ein fantastischer Vertriebsweg", bekannte sich Messier zum Internet. Die drei anderen Giganten im Tonträgergeschäft - EMI, BMG und Warner Music - arbeiten derweil an einem eigenen Angebot namens Musicnet. Einig sind sich die fünf großen Musikkonzerne in ihren Forderungen nach einem besseren gesetzlichen Schutz gegen Piraterie. Sie haben zudem neue Technologien angekündigt, mit denen sie Kopien verhindern wollen.

Mit einem Informations-Angebot drängen auch die deutschen Plattenfirmen ins Internet. Sie haben während der Popkomm ihr gemeinsames Online-Projekt namens Musicline vorgestellt, das unter Federführung des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft erarbeitet wurde. Musicline funktioniert wie eine Suchmaschine und soll vor allem Informationen über Künstler und ihre Musik für Händler und Hörer bieten.

Die trotz des geplanten Aufbruchs ins Internetzeitalter insgesamt gedämpfte Stimmung der Musik- und Medienbranche bekamen auch die Veranstalter der Popkomm zu spüren. 883 Aussteller bedeuteten einen Rückgang von 9 % gegenüber dem Vorjahr. Uli Großmaas, Geschäftsführer der Musik Komm. GmbH nannte als Grund, dass nach der Krise der neuen Wirtschaft weniger Internet-Firmen gekommen seien. Vivendi-Chef Messier allerdings sah die Probleme der Internet-Branche positiv für sein Geschäft. "Es gibt weniger Risikokapitalgeber, die unrentable Projekte unterstützen", sagte Messier. Langsam setze sich die Überzeugung durch, dass es in dieser Welt nichts umsonst gebe, so Messier weiter: "Auch wenn die Dotcoms verschwinden, das Internet bleibt.

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