Stimmung dürfte sich verbessern
Strategen erwarten Wall-Street-Erholung bis Jahresende

Eine Umfrage hat ergeben: Experten an der Wall Street sehen wieder Licht am Ende des Tunnels.

rtr NEW YORK. Wall-Street-Strategen beurteilen die Aussichten für die Entwicklung der US-Aktienmärkte wieder vorsichtig optimistisch. Nach ihrer Einschätzung werden sich die Börsenbarometer bis zum Jahresende von den derzeitigen Fünf-Jahres-Tiefs erholen. Angesichts nachlassender Belastungsfaktoren dürfte sich die Stimmung der Investoren wieder verbessern.

Bei einer Reuters-Umfrage unter 15 Aktien-Strategen prognostizierten diese für den Standard & Poor's-Index zum Jahresende 2002 im Mittel ein Plus von 19 % gegenüber dem Schlussstand vom 19. September auf 1000 Zähler. Den Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte erwarten die Experten im Durchschnitt um 16 % höher bei 9250 Punkten. Ende 2003 sehen 13 der befragten Aktien-Strategen den Standard & Poors-Index zwischen 1000 und 1650 Punkten. Den Dow Jones erwarten neun der Experten Ende nächsten Jahres zwischen 9000 und 11 000 Zählern.

Die Strategen begründeten ihre optimistische Einschätzung damit, dass der Irak-Konflikt die Investoren nicht noch stärker beunruhigen werde, die Unternehmensskandale weitgehend vorüber seien, sich die konjunkturelle Situation verbessere und die Aktien unterbewertet seien.

Die meisten Analysten preisen nach Einschätzung der Strategen bereits jetzt die schlimmstmögliche Zuspitzung des Irak-Konfliktes in die Kurse ein. "Ja, wir sind besorgt darüber, aber die großen wirtschaftlichen Sorgen in Bezug auf einen Krieg richten sich darauf, was mit den Ölpreisen geschehen könnte und wie lange es dauern könnte, einen Regimewechsel (in Irak) herbeizuführen", sagte Tobias Levkovich, Stratege bei Salomon Smith Barney. Die starken Ölpreis-Anstiege der Jahre 1973, 1979 und 1990 hätten der Wirtschaft wegen ihrer langen Dauer geschadet, aber während des Golfkrieges seien die Ölpreise gefallen, fügte er hinzu.

"Die Sorgen hinsichtlich weiterer Firmenskandale wie bei Enron, WorldCom oder Tyco haben etwas abgenommen. Die Skandale verschwinden allmählich von den Titelseiten", sagte CSFB-Stratege Tom Glavin. Die Aufsichtsbehörden hätten geholfen, das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen, fügte er hinzu.

Hinzu kommt den Experten zufolge die Erwartung der Anleger, dass die US-Wirtschaft nicht in eine neue Rezession abgleiten wird. "Wir haben eine moderate Erholung, schwächer als üblich", sagte Charlie Reinhard von Lehman Brothers. Zudem registrierten die Arbeitsämter stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften, die Firmengewinne im dritten Jahresviertel dürften mit einem erwarteten Plus von fünf bis zehn Prozent erstmals seit sieben Quartalen wieder höher ausfallen im Vorjahreszeitraum, die Liquiditätssituation der Unternehmen habe sich verbessert und die Zuversicht der Firmen stabilisiere sich, erklärte Reinhard.

Zudem hätten es die niedrigsten Zinsen seit 40 Jahren - der Schlüsselzins der US-Notenbank (Fed) beträgt 1,75 % - den Verbrauchern ermöglicht, ihre Hypothekenkredite zu refinanzieren, Geld durch vorzeitige Rückzahlung von Krediten zu sparen oder Darlehen für neue Ausgaben aufzunehmen, ergänzte Reinhard. Galvin merkte dazu an, der Refinanzierungs-Boom werde voraussichtlich im vierten Quartal eine erneute Steigerung der Einzelhandelsumsätze nach sich ziehen. Dies wiederum werde die Nachfrage der Investoren stimulieren und einen Investitionszyklus in Gang setzen.

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