Stimmung in Chiles Wirtschaft schwankt - Statistik überzeichnet das Wachstum
Wahlversprechen holen Chiles Präsident Ricardo Lagos ein

ang SANTIAGO DE CHILE. Der Konjunkturaufschwung in Chile läuft sehr viel langsamer als erwartet. Die positive Stimmung von Jahresanfang, als der neu gewählte Präsident Ricardo Lagos mit einem extrem ehrgeizigen Programm zur Förderung des Wachstums und zum Abbau der Arbeitslosigkeit antrat, schlägt um. Insbesondere bei der konservativen und stark neoliberal orientierten Unternehmerschaft sinkt das Vertrauen in die Reformfähigkeit der Mitte-links-Regierung. Der Pessimismus der Unternehmer, die sich durch Reformen im Arbeitsrecht, durch strengere Vorgaben für den Umweltschutz und das politische Umfeld im Rahmen des Pinochet-Prozesses bedroht fühlen, zeigt sich vor allem in einer Stagnation der Investitionen.

Zwar registrierte der chilenische Konjunkturindex IMACEC für Mai ein Wachstum von 7,4 % und damit ein deutliches Wachstum im neunten Monat hintereinander. Das bedeutet eine Zunahme von 6 % im Vergleich zu Mai 1999 und ein saisonbereinigtes Wachstum von 2,4 % gegenüber April. Doch für das hohe Wachstum sind vor allem die niedrigen Basiszahlen im Rezessionsjahr 1999 verantwortlich. Den größten Beitrag zum Wachstum leisteten die Elektrizitätswerke mit 20 % plus im Vergleich zum Vorjahr, wo eine Dürreperiode die Wasserkraftwerke stillgelegt hatte.

Die Arbeitslosigkeit macht Sorge

Für schlechte Stimmung in der Bevölkerung, die in Chile fast durch keinerlei soziale Hilfen abgesichert ist, sorgen vor allem die steigenden Arbeitslosenzahlen von mittlerweile knapp 9 % - 0,4 Prozentpunkte mehr als vor zwei Monaten. Das bringt den seit März regierenden Präsidenten Lagos in Erklärungsnotstand: Bei seinem Amtsantritt versprach er unvorsichtigerweise die Schaffung von 200 000 Arbeitsplätzen in diesem Jahr. Die hohe Arbeitslosigkeit verhindert ein zügiges Konsumwachstum, die Verkäufe verzeichneten im Mai erstmals wieder ein Wachstum von nur 2,3 %.

Lagos zeigt sich dennoch optimistisch. Mit Investitionsprogrammen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen will er die versprochenen Arbeitsplätze schaffen. Arbeitsminister Ricardo Solari ist da skeptischer: "Ob wir das angepeilte Ziel schaffen oder nicht, wird sich erst im Dezember zeigen. Wichtig ist, dass wir heute alles mögliche auf allen Gebieten und in allen Ministerien tun, um dieses Problem zu lösen, das für uns Priorität hat."

Eben dies glauben die Unternehmer des Landes nicht. Tatenlosigkeit auf ganzer Linie wird der Regierung vorgeworfen. Ein großes Problem ist die hohe Verschuldung der kleinen und mittleren Unternehmen.

Höhere Schulden durch die Asien-Krise

Durch die Asienkrise haben diese Betriebe stark gelitten und eine zusätzliche Schuldenlast von 400 Mill. $ aufgebaut. Die Banken vergeben trotz hoher Einlagen kaum neue Kredite. Die Unternehmen fordern Hilfe von Seiten der Regierung in Form von staatlichen Garantien oder Sonderkonditionen bei Zinssätzen und Kreditlaufzeiten.

Schwierigkeiten bereiten Lagos auch seine Wahlversprechen im Gesundheitswesen und im Bereich der Arbeitsrechtreform. Der neugewählte Präsident verkündete optimistisch die Abschaffung langer Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitswesen innerhalb von nur sechs Monaten. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Ein von Ex-Präsident Eduardo Frei ausgearbeitetes, von vielen Seiten als populistisch eingeschätztes Arbeitsreformgesetz harrt noch immer seiner Durchsetzung. Lagos schaffte es immerhin, den in Chile extrem niedrigen Mindestlohn geringfügig heraufzusetzen. Putzfrauen etwa müssen nun statt 180 $ im Monat 200 $ erhalten.

Zur Ankurbelung der Wirtschaft und insbesondere zur Förderung Klein- und Mittelbetriebe fordern die Verbände eine Lockerung des Arbeitsrechts und der Umweltschutzbestimmungen.

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