Stimmung in den deutschen Unternehmen so schlecht wie zum Jahresbeginn
Kriegsangst lastet stark auf der Konjunktur

Die Talfahrt des Ifo-Geschäftsklima-Indexes hat sich im September fortgesetzt - vor allem wegen der Sorgen vor einem Krieg im Irak. In Deutschland dürfte der Aufschwung auch in der zweiten Jahreshälfte ausbleiben. Bei einem langen Irak-Krieg droht Deutschland gar eine Rezession, fürchten Volkswirte.

ost DÜSSELDORF. In unsicheren Zeiten wie diesen geben sich manche Konjunktur-Beobachter schon mit wenig zufrieden. Sie freuen sich sogar über schlechte Nachrichten - wenn sie denn nur nicht noch schlechter ausfallen als im Vorfeld prognostiziert.

Das jüngste Beispiel lieferte gestern der Ifo-Geschäftsklima-Index: Das wichtigste europäische Konjunkturbarometer ist im September den vierten Monat in Folge gefallen. Mit 88,2 Punkten nach 88,8 Zählern im August ist das Geschäftsklima so schlecht wie zuletzt zu Jahresbeginn. Dass aber das Minus im Rahmen der Erwartungen lag, sah Robert Prior von der Bank HSBC als "einen Grund zum Feiern - es hätte auch schlimmer kommen können". Auch die Börsen reagierten positiv, der Aktienindex Dax legte mehr als 3 % zu.

Dabei sind die Ifo-Zahlen an sich alles andere als ermutigend: "Ein Aufschwung ist in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten", betont Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der WestLB. "Bestenfalls geht es bis zum Jahresende so kraftlos weiter wie im ersten Halbjahr." Pessimistisch gibt sich auch Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank: "Der Abschwung in Deutschland ist noch nicht zum Stillstand gekommen." Im dritten Vierteljahr werde das reale Bruttoinlandsprodukt im Quartalsvergleich sogar um 0,1 % schrumpfen und sich im vierten Quartal nur leicht erholen.

Volkswirte sind sich einig: Hauptursache für den Pessimismus ist die Angst vor einem Irak-Krieg - und dies völlig zu Recht. "Bei einer längeren militärischen Intervention und einem Ölpreis von dauerhaft mehr als 30 US-Dollar geht die deutsche Wirtschaft in die Knie", fürchtet Hombrecher. Auch die Weltwirtschaft befinde sich in einer "außerordentlich kritischen Lage: Es hat sich ein teuflisches Gemisch von Risiken gebildet", so Hombrecher. Neben dem Irak-Krieg zählt er dazu die Börsenkrise, die ökonomischen Ungleichgewichte in den USA und die zunehmenden Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik. "Die Gefahr, dass dies in einer großen Krise endet, kann man nicht von der Hand weisen."

Die 17 000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen beurteilen im September ihre aktuelle Geschäftslage ein klein wenig positiver als einen Monat zuvor. "Aber historisch betrachtet befindet sich die Lage-Komponente auf extrem niedrigen Niveau", sagt Holger Fahrinkrug, Volkswirt bei UBS Warburg. Schlimmer noch: Immer weniger Firmen rechnen damit, dass sich die Lage in den kommenden Monaten bessert. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate haben sich im September deutlich eingetrübt - "daher werden die Unternehmen ihre Investitionspläne weiter aufschieben", sagt Fahrinkrug. Besonders schlecht ist das Geschäftsklima derzeit im Bau und im Einzelhandel - im verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung dagegen leicht verbessert.

Um langfristig Weichen für mehr Wirtschaftswachstum zu stellen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei der Bundesregierung am Mittwoch eine umfassende Reform der Wirtschaftspolitik angemahnt. Wichtig sei dabei eine Reform des Steuersystems. Derzeit würden Arbeitskommen in Deutschland sehr hoch, Kapitaleinkünfte nur wenig belastet, heißt es im jüngsten DIW-Wochenbericht. Das Institut schlägt vor, Steuervergünstigungen zu kürzen, die Gewinnermittlung bei Unternehmenseinkünften zu straffen und die Erbschafsteuer anzuheben. Im Gegenzug könne die Einkommensteuer gesenkt werden.

Quelle: Handelsblatt

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