Stimmung in der Biotech-Branche deutlich aufgehellt
Solide Zahlen helfen Qiagen

Nach langer Durststrecke tendierte die Aktie von Qiagen in den vergangenen Wochen endlich wieder gen Norden. Und wenn Börsenhändler das Geschehen richtig interpretierten, kamen Neuigkeiten über die Lungenkrankheit SARS den Titeln zugute.

HB FRANKFURT. Denn die Tatsache, dass Qiagen-Produkte für die Diagnose und Analyse der gefürchteten Virusinfektion genutzt werden, gilt als einer der positiven Faktoren für den Biotechwert.

Bei Licht besehen bietet das Thema SARS indessen nicht viel mehr als einen Randaspekt für die längerfristigen Perspektiven des deutschen Biotech-Flagschiffes. Denn als führender Hersteller von Geräten und Reagenzien für die Aufreinigung von DNA wird Qiagen nicht von einzelnen spezifischen Anwendungen geprägt. Viel wichtiger ist der generelle Trend in der biomedizinischen Forschung und deren Anwendung in der Praxis. Vor allem diese beiden Faktoren sprechen derzeit durchaus für das Hildener Biotech-Unternehmen.

Zwar hat sich die große Euphorie über die Genomforschung längst wieder gelegt. Und vor allem in Deutschland müssen derzeit viele kleinere Biotechfirmen aufgrund knapper Kassen ihre Aktivitäten zurückfahren. Auf globaler Ebene indes wird die Pharmaforschung und mit Genanalyse weiter ausgebaut. Das gilt sowohl für die akademische Forschung als auch für die entsprechenden Aktivitäten der großen Pharmakonzerne. Nach einer Reihe positiver Testresultate, wie gestern zum Beispiel beim US-Konzern Genentech, hat sich auch in der amerikanischen Biotechindustrie die Stimmung wieder verbessert.

Ungeachtet aller Ernüchterung in der Biotech-Welt bewegt sich Qiagen also weiterhin in einem wachsenden Markt. Zusätzliche Chancen bieten sich mittelfristig in der Gen-Diagnostik, die zusehends an Bedeutung gewinnt. Insgesamt spricht aus diesem Grund einiges für weiterhin deutlich zweistellige Wachstumsraten, was die jüngsten Quartalszahlen bestätigten.

Bleibt die Frage, wie viel Aufwand und Investitionen für diesen Kurs erforderlich sind. Dass auch bei Qiagen Expansion nicht vom Himmel fällt, zeigen die hohen Sachinvestitionen der vergangenen Jahre. Sie lagen deutlich über dem operativen Mittelzufluss, wodurch sich die einstige Netto-Cash- in eine Netto-Verschuldungsposition wandelte. Allerdings gilt der Ausbau inzwischen als weitgehend abgeschlossen. Und nach Angaben des Managements umfasst er genügend Kapazitätsreserven für die nächsten fünf Jahre. So gesehen, dürften sich Cashflow und Bilanzstruktur schon im laufenden Jahr deutlich verbessern. Auch es dürfte dem Unternehmen nicht allzu schwer fallen, den operativen Ertrag wieder überproportional zum Umsatz zu steigern.

Prognosen, die ein Gewinnwachstum von mehr als einem Fünftel unterstellen, erscheinen damit nicht unrealistisch. Und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25 bewegt sich die Qiagen-Aktie noch nicht auf einem überzogenen Niveau - auch wenn sie vielleicht von den falschen Argumenten dorthin geführt wurde.

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