Stimmung in Euroland schlechter als die Lage
Welteke: Weltwirtschaft ist schwach und unsicher

Die Weltwirtschaft befindet sich nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke in Folge der Anschläge vom 11. September in den USA in einer Periode der Schwäche und der Unsicherheit. "Die Weltwirtschaft befindet sich nicht nur in einer Phase ausgeprägter Schwäche, sondern auch in einer Phase ausgeprägter Unsicherheit", sagte Welteke am Mittwoch laut Redetext in Frankfurt.

Reuters FRANKFURT. Allerdings habe sich die Weltkonjunktur bereits vor den Anschlägen merklich eingetrübt. Die Anschläge in New York und Washington hätten die Unsicherheit allerdings erhöht. "Die Einschätzung der Wirtschaftslage ist heute eine Rechnung mit einer noch größeren Zahl von Unbekannten als in politisch ruhigen Zeiten."

Nun kommt es nach Einschätzung des Bundesbankpräsidenten auf die weitere Entwicklung an. "Ausmaß und regionale Schwerpunkte der militärischen Auseinandersetzung sowie weitere Milzbrandanschläge können das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher maßgeblich beeinflussen", sagte Welteke.

In der Euro-Zone sei die Stimmung derzeit auf niedrigem Niveau, stellte Welteke fest. "Die zuletzt für den Euroraum veröffentlichten Stimmungsindikatoren weisen fast durchweg auf eine weitere Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität hin." Allerdings spiegele die Stimmung nicht die Lage wider: "Die Stimmung ist schlechter als die Lage, und das liegt nicht nur an den Terroranschlägen." Der Bundesbankpräsident stellte fest, Erwartungen seien volatiler als realwirtschaftliche Entwicklungen. "Erwartungen müssen aber nicht eintreffen. Es kann auch anders kommen", sagte Welteke.

Das derzeit geringere Wirtschaftswachstum sei vorübergehend und auf eine Kapazitätsanpassung zurückzuführen. Es gebe eine Mischung aus Angebots- und Nachfrageschocks. Auf der Angebotsseite hätten sich die Kostenstrukturen auf Grund von Sicherheitszuschlägen verändert, die Nachfrage unterliege je nach Sektor Schwankungen nach oben oder unten. In beiden Fällen entstünden Kosten durch die Kapazitätsanpassung. "Das Ergebnis sind Kosten in Form eines temporär geringeren Wirtschaftswachstums. Im günstigen Fall wird nach kurzer Zeit der alte Wachstumspfad auf neuem Niveau wieder aufgenommen", sagte Welteke. Mittelfristig gäben die Finanzmärkte Grund zu vorsichtigem Optimismus.

Insgesamt schätzt Welteke die Volkswirtschaft des Eurosystems als weniger anpassungsfreudig ein als die der Vereinigten Staaten. Dennoch gebe es auch hier Grund zu vorsichtigem Optimismus: "Privatisierungen und Liberalisierung im Vorfeld der Währungsunion haben die Anpassungsfähigkeit des Euroraumes erhöht."

Nach Auffassung Weltekes, der auch stimmberechtigtes Mitglied im für Geldpolitik verantwortlichen Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, haben die Leitzinssenkungen der EZB noch nicht in vollem Umfang gewirkt. "Die Finanzierungsbedingungen der privaten Haushalte und der Wirtschaft haben sich noch nicht so stark verbessert wie die Zinssenkungen um 100 Basispunkte erwarten ließen", sagte er. Die Sätze für Konsumenten-, Kontokorrent- und Unternehmenskredite seien bisher nur leicht zurückgegangen. "Nach dem 11. September sank zwar das Zinsniveau, aber nur für sichere Titel." Nun gewännen die Märkte mehr Sicherheit: "Darin liegt auch ein Grund, warum die Wirkung der diesjährigen Zinssenkungen zum Teil noch aussteht."

Der EZB-Rat berät am Donnerstag über das Niveau der Leitzinsen in der Euro-Zone. Analysten rechnen überwiegend mit einer Senkung der Zinsen um 25 Basispunkte auf dann 3,50 % im Schlüsselzins.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%