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Stimmung in Japans Wirtschaft weiter verschlechtert

Das Vertrauen der japanischen Unternehmen hat nach dem Konjunkturbericht "Tankan" der Bank von Japan (BoJ) im dritten Quartal 2001 weiter deutlich abgenommen und damit Erwartungen einer neuen Rezession der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft bestärkt.

rtr TOKIO. Der Diffusions-Index der japanischen Notenbank (BoJ) für Großunternehmen im verarbeitenden Gewerbe fiel dem Tankan zufolge in den Monaten Juli bis September auf minus 33 von minus 16 Punkten und damit im dritten Quartal hintereinander. Volkswirte hatten im Durchschnitt ein Minus von 28 Punkten vorausgesagt. Die tatsächliche Schwäche der Wirtschaft wird nach ihrer Einschätzung von den Zahlen nicht vollständig wiedergegeben. Finanzminister Masajuro Shiokawa nannte die Zahlen sehr schlecht und forderte weitere entschlossene Schritte.

Wie die BoJ am Montag in dem Bericht feststellte, wollen japanische Großunternehmen ihre Investitionen im Fiskaljahr zum 31. März 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 % reduzieren. Ein Sprecher der Notenbank verwies nach der Vorlage des Berichts aber darauf, dass bislang nicht klar sei, in wie weit die Anschläge in den USA am 11. September in den Antworten der Unternehmen berücksichtigt seien. "Alles was wir sagen können ist, dass etwas mehr als 70 % der Antworten am oder nach dem 13. September bei unserer Statistikabteilung eingegangen sind", sagte er. Die BoJ misst mit ihrem Diffusions-Index die Beurteilung der gegenwärtigen Situation und die Erwartungen der Firmen für die kommenden drei Monate. Befragt werden dabei jeweils nahezu 9000 Unternehmen.

Shiokawa sagte in einer ersten Reaktion auf den Tankan: "Die Zahlen sind sehr schlecht, aber für die Zukunft sehe ich nicht, dass die Situation so schlimm wird. "Wir sind an einem wichtigen Scheideweg (der Wirtschaft) gekommen, und jetzt ist es wichtig, weiter nach vorne und nicht zurück zu blicken."

Der Vertreter des Tokioter Finanzministeriums, Haruhiko Kuroda, machte indessen deutlich, es werde auf Grund des Berichts keinerlei Änderungen der Wechselkurspolitik der japanischen Regierung geben. "Es wird keine Änderung geben. Das ist alles was ich sagen kann", sagte er vor der Presse in Tokio. In der vergangenen Woche hatte die Bank von Japan mehrfach in den Devisenhandel eingegriffen und bei einer Reihe von Interventionen die eigene Landeswährung Yen gegen US-Dollar verkauft. Ziel dieser Aktionen am Devisenmarkt ist es, die Aufwertung des Yen zu stoppen.

Analysten zeigten sich unterdessen überrascht von dem starken Rückgang des Diffusionsindex. "Die reale wirtschaftliche Talfahrt ist viel schneller als die Unternehmen erwartet haben", sagte Shinichi Sato von Tokyo-Mitsubishi Securities. "Das sieht man auch daran, dass zwischen den Vorhersagen und dem wirklichen Diffusionsindex der größte Unterschied seit 20 Jahren besteht". Auch die künftige Entwicklung beurteilten Analysten vor dem Hintergrund der Anschläge in den USA pessimistisch. Kazujiko Ogata, Volkswirt bei HSBC Securities sagte: "Ich glaube wir werden mehr Berichte erhalten, dass das Weihnachtsgeschäft in den USA nicht gut läuft. Das wird Japan treffen".

Takashi Kiuchi von der Shinsei Bank fügte hinzu: "Ich glaube, die Bank von Japan kann nicht viel tun. Ich hoffe aber, dass die Zahlen die Bemühungen der Regierung um strukturelle Reformen beschleunigen werden". Andere Analysten fügten hinzu, da die Zinsen in Japan bereits auf nahe Null Prozent gesenkt worden seien und die Verschuldung des Staates die höchste unter den Industriestaaten sei, gebe es kaum noch politische Optionen.

Wegen der wirtschaftlichen Schwäche Japans expandiert der deutsche Außenhandel mit dem fernöstlichen Land nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schon seit Jahren nicht im gleichen Umfang wie der deutsche Außenhandel insgesamt. Die Wiesbadener Behörde teilte am Montag mit, die deutschen Ausfuhren nach Japan seien in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber der Vorjahreszeit um 6,0 % auf 12,8 Mrd. DM gestiegen, während die Gesamtexporte um 11,4 % auf 626,4 Mrd. DM zugenommen hätten. Die Einfuhren aus Japan seien im ersten Halbjahr um 7,4 % auf 24,1 Mrd. DM gesunken, während die deutschen Gesamtimporte um 8,8 % auf 569,2 Mrd. DM gewachsen seien.

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