Stimmung ist besser geworden
Analysten uneins über Erholung bei Tech-Werten

Die von den meisten Technologieunternehmen für das zweite Halbjahr 2002 in Aussicht gestellte Erholung der Branchenkonjunktur wird von Analysten zum Teil mit Skepsis beurteilt.

Reuters FRANKFURT/M. Während einerseits auf positive Wirkungen der Kostenentlastungen durch die zurückliegenden Entlassungen und Restrukturierungen gesetzt wird, zweifeln andere Branchenexperten angesichts der jüngsten Quartalsergebnisse weltweit führender Technologiefirmen noch an einem bald bevorstehenden Aufschwung. "So richtig evident ist die Erholung noch nicht", sagt Analyst Michael Bahlmann von M.M. Warburg mit Blick auf die Ergebnisse unter anderem von Microsoft, Philips, Sun, Nortel, Siebel, Advanced Micro Devices, Apple, Compaq, Intel und SAP.

"Die Zuversicht ist nicht unbedingt größer geworden, da für das zweite Quartal noch keine Entwarnung gegeben wurde", sagt Bahlmann. Während Nokia als Mobiltelefon- und Netzwerkhersteller mit der Rücknahme seiner bisherigen Umsatzerwartungen in der Telekommunikationsbranche viele Hoffnungen zerstört habe, vermittele nur der Halbleitersektor den Eindruck einer bevorstehenden Erholung im zweiten Halbjahr.

Entsprechende Signale hatten IBM, AMD und Motorola in den vergangenen Tagen bei der Vorlage ihrer vom fortgesetzten Nachfrageschwund gezeichneten Quartalszahlen gegeben. "Es gibt Anzeichen dafür, dass wir die Absturzphase im Bereich Speicherchips bereits hinter uns haben", sagte AMD-Chef Jerry Sanders.

In der kommenden Woche stehen die Ergebnisse der deutschen Technologiefirmen Siemens, Infineon und Epcos zur Veröffentlichung an. Beim Chiphersteller Infineon rechnen Analysten mit einer bereits sichtbaren Verbesserung der Geschäftslage, da unter anderem die Preise angestiegen und Produktionskapazitäten erweitert worden seien.

Mit Spannung wird das Ergebnis von Siemens erwartet, da die Sparte Information & Communications Analysten zufolge im Gegensatz zu den übrigen Konzernbereichen Medizintechnik, Transport und Energieerzeugung weiterhin Probleme bereitet. Nach schwachen Prognosen der Netzwerk-Konkurrenten Nortel und Nokia werde Siemens kaum positive Überraschungen parat haben, sagt ein Analyst.

Der größte europäische Software-Konzern SAP bekräftigte am Donnerstag seine Prognose, dass im zweiten Halbjahr die Talsohle hinter dem Unternehmen liegen werde. "2002 wird ein hartes Jahr, und die erste Hälfte wird härter als die zweite", sagte SAP-Mitgründer und Vorstandssprecher Hasso Plattner. Vor allem in den USA hielten sich die Kunden zurück, erläuterte er.

Der weltgrößte Software-Hersteller Microsoft gab dagegen wenige Stunden nach SAP einen verhaltenen Ausblick für den Absatz: "Unsere Erwartungen für die Technologie-Ausgaben und die wirtschaftliche Aktivität im allgemeinen ist moderater als der durchschnittliche Analyst glaubt", sagte Finanzchef John Connors bei der Bekanntgabe der jüngsten Geschäftszahlen.

Für viele Unternehmen könnte es noch ein harter Gang bis zur Erholung sein, sagt Analyst Bahlmann voraus. Profitieren würden die Firmenergebnisse von der Jahresmitte an jedoch von dem so genannten Basiseffekt des Vorjahres. Die damals bereits schwächelnde Weltkonjunktur sei im dritten Quartal des Jahres 2001 noch zusätzlich von den Attentaten in den USA getroffen worden. Im Vorjahresvergleich seien die Geschäftseinbrüche daher weniger sichtbar.

Analyst Theo Kitz von Merck, Finck & Co. sieht die Hoffnungen für den näher rückenden Wiederaufschwung dagegen noch nicht zerstört. "Viele Unternehmen sagen: Das Schlimmste liegt hinter uns." Abgesehen von der schwer einzuschätzenden Entwicklung der weltweiten Absatzmärkte hätten die Technologiefirmen in den zurückliegenden Monaten ihre Unternehmungen restrukturiert. "Die Kostenentlastungen werden bei den Gewinnen sichtbar werden und die Entlassungswelle ist vorüber", sagt Kitz.

Andere Branchenbeobachter halten sich mit Prognosen indes zurück, da die weitere Entwicklung der makroökonomischen Faktoren wie Zinsen oder Rohstoffpreise schwer abzuschätzen sei. Grundsätzlich habe sich zwar die Investitionszurückhaltung etwas gemildert, sagt ein Technologie-Analyst.

Dies habe sich allerdings noch nicht in den Auftragseingängen des ersten Quartals niedergeschlagen und werde möglicherweise erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. "Aber die Stimmung ist besser geworden", bilanziert der Analyst.

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