Stimmung massiv verschlechtert
Reaktionen von Volkswirten zum Ifo-Index

Der starke Rückgang des Index lässt laut Ifo-Volkswirt Nerb von alleine keinen Rückschluss auf eine mögliche Rezession in Deutschland zu.

rtr MÜNCHEN. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September massiv verschlechtert. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklima-Index für Westdeutschland sei im September auf 85,0 von 89,5 Punkten im August eingebrochen, teilte das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag mit. Dies ist der niedrigste Stand seit November 1993. Es ist der erste Geschäftsklima-Index, dessen Daten komplett nach den Anschlägen erhoben wurden. Von Reuters befragte Experten hatten einen Rückgang des Konjunkturbarometers auf 88,1 Punkte erwartet. Volkswirte sagten dazu in ersten Reaktionen:

GERNOT NERB, IFO-VOLKSWIRT

Der starke Rückgang des Ifo-Index lässt nach den Worten Nerbs von alleine keinen Rückschluss auf eine mögliche Rezession in Deutschland zu. "Man kann diesen Schluss nicht auf Grund dieser Zahl alleine ziehen", sagte Nerb in einem Interview am Freitag mit Reuters TV. Mit Verweis auf das am Dienstag anstehende Herbstgutachten der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute wollte der Volkswirt des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts sich nicht weiter über die Wachstumsaussichten für Deutschland äußern.

UWE ANGENENDT, BHF BANK

Die Zahlen sind extrem schlecht und liegen deutlich unter den Markterwartungen. Sie sind Zeichen einer Überreaktion nach den Anschlägen in den USA. Bisher sind wir von einer anhaltenden Stagnation des Wirtschaftswachstums in Deutschland ausgegangen, jetzt ist auch eine Rezession und ein negativer Wert für das vierte Quartal nicht mehr ausgeschlossen. Ein Aufwärtstrend wird sich hoffentlich ab dem 2. Halbjahr 2002 entwickeln, für die kommenden drei bis vier Quartale sind wir aber noch sehr pessimistisch. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2002 ist mit 1,5 % viel zu optimistisch, wir gehen eher von 0,7 % aus. Die neuen Zahlen erhöhen den Druck auf die EZB zu einer Leitzinssenkung. Wir rechnen mit 25 bis 50 Basispunkten bis Jahresende und einem Stand (des Schlüsselzinses) bei 2,5 % bis zum Frühjahr. Auch aus psychologischen Gründen sollte die EZB mit der Zinslockerung nicht zu lang warten.

CHRISTOPH HAUSEN, COMMERZBANK

"Damit hat wirklich keiner gerechnet. Besonders enttäuschend ist der Rückgang beim Erwartungsindex, es gibt also keinen Hoffnungswert. Die Wahrscheinlichkeit ist damit deutlich gestiegen, dass die EZB schon in der kommenden Woche die Zinsen senkt. Eine Rezession in Deutschland kann man nicht völlig ausschließen.

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