Stimmung trübt sich weiter ein
Ifo-Index fällt besser aus als erwartet

Trotz einer Eintrübung der Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November ist nach Einschätzung des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) eine Stabilisierung der schwachen Konjunktur zu erkennen.

Reuters FRANKFURT. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sei im November den sechsten Monat in Folge auf 87,3 Punkte von 87,7 Zählern im Oktober zurückgegangen, teilte das Ifo am Dienstag mit. Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte der Nachrichtenagentur Reuters zu den Daten: "Es gibt eine vorsichtige Erholung. Zumindest eine Stabilisierung zeichnet sich ab, wenn auch von einem Aufschwung nicht die Rede sein kann." Auch Bankenvolkswirte bewerteten die Ifo-Daten vorsichtig optimistisch. Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger zufolge wird das deutsche Wirtschaftswachstum 2002 wohl unter einem halben Prozent liegen.

Volkswirte hatten im Schnitt einen Rückgang auf 86,8 Punkte prognostiziert. An den Finanzmärkten gab der Deutsche Aktienindex (Dax) seine Kursgewinne nach Veröffentlichung des Ifo-Indexes ab. Deutschlands wichtigster Börsen-Index wies zuletzt ein Minus von rund 0,6 % auf. Kaum Reaktionen zeigte dagegen der Euro, der mit Kursen um 0,99 $ nahezu unverändert notierte.

Nerb: Rezessions-Gefahr gesunken

Die vom Ifo-Institut befragten rund 7 000 Unternehmen beurteilten die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate erneut deutlich schlechter. Der Index für die Geschäftserwartungen fiel auf 95,8 Zähler von 97,9 im Vormonat. Ihre gegenwärtige Geschäftslage schätzten die Unternehmen dagegen erneut besser ein, der entsprechende Teilindex stieg auf 79,1 Punkte von 77,9 Punkten im Oktober. "Die rückläufigen Erwartungen geben weiterhin Anlass zur Sorge", sagte Nerb. Die Investitionen seien noch immer zu schwach. "Die Gefahr einer Rezession ist aber eher geringer geworden." Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn machte unterdessen auch auf einen Lichtblick bei den Erwartungen aufmerksam: "Im Einzelhandel stieg der Klimaindikator wegen verbesserter Erwartungen deutlich an."

Analysten: Ausblick nicht mehr ganz so düster

Analysten äußerten angesichts der Ifo-Daten vorsichtigen Optimismus. Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin sah das Muster der vergangenen Monate bestätigt. "Bei einer Einschätzung der mittelfristigen Konjunkturentwicklung hilft das nicht weiter, die Diskrepanz bleibt." Es bleibe abzuwarten, wie sich das Szenario auflöse, ob sich die Erwartungen verbesserten oder die Einschätzung der Lage verschlechtere. "Kurzfristig sind die Daten recht positiv. Der Ausblick für das vierte Quartal ist nun nicht mehr ganz so düster wie zu befürchten war."

Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank verwies auf die Lage-Komponente, die sich den dritten Monat in Folge verbesserte. "Die starke Verbesserung bei der Lage-Beurteilung ist aussagekräftiger als die Geschäftserwartungen, weil diese von der aktuellen Diskussion über Steuererhöhungen und Sparpläne der Regierung belastet werden", sagte die Analystin. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank führte ebenfalls die eingetrübten Erwartungen auf die Regierungspläne beziehungsweise auf die Berichterstattung darüber zurück: "Das spricht dafür, dass die an Hysterie grenzende Berichterstattung über die Regierungspläne vor allem die Stimmung beeinträchtigt hat."

Bundesbank-Chefvolkswirt Remsperger rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft 2002 um weniger als ein halbes Prozent wachsen wird und erst in der zweiten Hälfte 2003 wieder an Fahrt gewinnen dürfte. Auch in der ersten Hälfte 2003 werde das Wachstum moderat ausfallen, sagte Remsperger in Tokio.

In Ostdeutschland ging der Geschäftsklimaindex im November auf 95,0 Zähler von revidiert 97,8 (97,9) im Oktober zurück.

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