Stimmungsloser Wahlkampf
Rheinland-Pfalz: Schlechte Umfragen für CDU-Kandidat Böhr

Das Ergebnis der Wahlumfrage war wieder niederschmetternd. Kein Hoffnungsschimmer am Horizont, die CDU auf ganze 36 % gesackt.

dpa MAINZ. Der Mann am Rednerpult hat dies vor kurzem erfahren und muss den erneut deprimierenden Zwischenstand einfach verdrängen. Schließlich will der Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen CDU für die Landtagswahl am 25. März, Christoph Böhr, seinen andächtigen Zuhörern aus den Reihen der eigenen Partei nicht den Glauben daran nehmen, "dass wir es schaffen, wenn wir uns noch mal gemeinsam richtig anstrengen", wie es ein Vorredner bei einer Wahlveranstaltung formulierte.

Vor knapp 100 Besuchern der Veranstaltung im Restaurant eines Tennisvereins am Rande der Innenstadt von Landau in der Pfalz spult Böhr seine Wahlrede eindringlich und gekonnt ab. Der Rentenschelte in Richtung die rot-grüne Bundesregierung folgt die harsche Ökosteuer- Kritik an die selbe Adresse.

Dann ist die SPD-FDP-Landesregierung dran. Deren Bildungspolitik mit 30 000 Wochenstunden Unterrichtsausfall: katastrophal. Die Innere Sicherheit: nicht gewährleistet. Die bis zum Regierungsende der CDU 1991 erreichte wirtschaftliche und bildungspolitische Spitzenposition des Landes Rheinland-Pfalz: verloren. Bauern und Winzer: von der Regierung im Stich gelassen. Die CDU hat nach Überzeugung des Kandidaten für alle diese Krisenfelder die schlüssigen Lösungskonzepte: Man muss sie nur lassen.

Die Zuhörer, erkennbar parteigebunden und dem Redner zugetan, applaudieren am Schluss anhaltend. Nachdem der gastgebende Kreisvorsitzende verkündet hat: "Christoph Böhr wird sich nun zu Ihnen begeben", stehen gut zwei Drittel des Publikums von den Tischen auf und begeben sich nach Hause. Sie brauchen vom Programm nicht mehr zusätzlich überzeugt zu werden. Schlechter bestellt scheint es um die Zustimmung der Wähler von außen zu sein, um die Unentschlossenen und um die, die der CDU wohl zugeneigt sind aber unbedingt noch mobilisiert werden müssen.

Mangelnde Kontaktfähigkeit

An sie müsste der Spitzenkandidat herankommen. Doch Böhr wird stereotyp mangelnde Kontaktfähigkeit nachgesagt. Begleiter hatten noch am Nachmittag dieses Wahlkampfausflugs entsprechende Hinweise dafür ausgemacht: Durch die Innenstadt der Haltestation Pirmasens war der Mann, der sich um das Amt des Landesvaters bewirbt, mit gesenktem Blick geeilt, kaum ein Gruß an Passanten, kein Schwätzchen mit Ladenbesitzern. Abgesehen davon kann der Kohl-Freund Böhr im Bekanntheitsgrad überhaupt nicht mit dem populären Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) mithalten.

Alle 51 Wahlkreise wollte Böhr mit eigenen Veranstaltungen bis zum Wahltag abgedeckt haben. Schaffen wird er gut 40, bilanziert er schon an diesem Abend in Landau bei der schätzungsweise 40. Zigarette des Tages im sich leerenden Saal. Die Stimmung, die allgemeine Wahlkampfstimmung fehlt, ist dürftig, es fehlt an Themen, "die polarisieren". Auch der politische Gegner sehe das so, sagt Böhr. Das Wahlkampfklima erscheint ihm durchgängig diffus: "Das Feuer glimmt, aber die Flammen schlagen nicht heraus".

Die eine Frage ist, ob die finale Kampagne mit dem Appell "Am 25. März die Rente retten!" noch eine Wende bringen kann. Die andere Frage lautet, inwieweit die Talfahrt der CDU-Umfrageergebnisse auch an der Wahlurne anhält. Umfrageergebnisse bedeuten nur Stimmung, nicht Stimmen, macht sich die Umgebung des CDU-Hoffnungsträgers Hoffnung. Und stimmt mit Böhr überein: "Die Partei wird gewinnen, die bis zur letzten Minute kämpft, und das sind wir!"

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