"Stimmungsschock" leitet keine Abwärtsspirale ein
Goldman-Sachs-Volkswirt: Keine Rezessionsgefahr in Euroland

Der Chefvolkswirt von Goldman-Sachs in Deutschland, Thomas Mayer, sieht für die Euro-Zone trotz der Anschläge vom 11. September keine Rezessionsgefahr. Befragt vom Magazin "Euro am Sonntag", ob er eine derartige Gefahr sehe, antwortete Mayer mit "Nein".

Reuters MÜNCHEN. Der durch die Anschläge bewirkte Stimmungsschock werde zwar die Erholung, die sich bereits vorher abgezeichnet habe, wahrscheinlich unterbrechen. "Er ist aber wohl nicht so stark, dass er allein eine Abwärtsspirale einleiten kann", fügte Mayer hinzu. Zudem sei das Vertrauen durch angemessene Reaktionen in der Sicherheits- und Militärpolitik sowie durch Zinssenkungen und den Verzicht auf riesige Ausgabenprogramme wiederhergestellt worden. Dies lasse sich auch an den Kurssteigerungen der Aktienmärkte sehen.

Der ursprünglich für das vierte Quartal 2001 erwartete Aufschwung in der Eurozone werde aber jetzt wohl erst ab dem zweiten Quartal 2002 einsetzen, sagte Mayer weiter. Das wirke sich auch auf die Jahres-Wachstumsraten aus. "Bislang hatten wir für Euroland in diesem Jahr ein Wachstum von 1,9 % erwartet, jetzt rechnen wir mit plus 1,7 %." Für 2002 gehe er nunmehr von einem europäischen Wirtschaftswachstum von 1,7 statt 2,5 % aus.

Zu den Leitzinsen sagte der Volkswirt, er halte es für besser, wenn erst einmal die weitere Entwicklung beobachtet werde. "Letztlich erwarten wir aber, dass noch eine weitere Zinssenkung von 50 Basispunkten in den nächsten sechs Monaten notwendig wird", sagte Mayer. Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen unverändert belassen, nachdem sie kurz nach den Anschlägen am 17. September in Abstimmung mit der US-Notenbank Fed die Zinsen um 50 Basispunkte gesenkt hatte. Der maßgebliche Schlüsselzins für die Eurozone liegt derzeit bei 3,75 %.

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