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Stimmungswandel an der Wall Street

Die Wall Street hat zum Wochenende eine wundersame Heilung erfahren. Nach zunächst kräftigen Kursverlusten sind die 30 Standardwerte in den Mittagsstunden deutlich in die Gewinnzone vorgestoßen. Der Dow Jones Index beendete den Tag bei 10.416 Zählern, einem Plus von 117 Punkten.

Der Spurwechsel in die Gewinnzone kam allerdings nicht ganz überraschend. Es war eher erstaunlich, dass die Märkte so schwach in den Handel gestartet waren. Die Erzeugerpreise, die vor Handelsbeginn veröffentlicht wurden, sind grundsätzlich im Sinne der Wall Street ausgefallen. Der Produzentenpreisindex ist im Juli mit 0,9 Prozent deutlicher gefallen, als im Vorfeld erwartet worden war. Analysten hatten mit einem Rückgang von lediglich 0,3 Prozent gerechnet. Vor allem die Preise für Benzin und Autos sind gefallen und verdeutlichen, Inflation ist derzeit buchstäblich ein Fremdwort in den USA.

Im Tagesverlauf setzen sich vor allem zyklische Werte ab. Alcoa, Caterpillar, 3M und United Technologies gehörten zu den größten Gewinnern. Johnson & Johnson profitierte von der Nachricht, dass der Pharmakonzern die Vertriebsrechte eines experimentellen Krebsmedikaments von der spanischen Firma Zeltia gekauft hat. Procter & Gamble legte knapp zwei Prozent zu. Der amerikanische Konzern hat von der britischen Wettbewerbsbehörde die Zulassung für den Kauf der Haarpflegesparte von Bristol-Myers erhalten. Procter & Gamble bietet knapp fünf Milliarden US-Dollar, das wäre die größte Übernahme in der 164-jährigen Firmengeschichte. Noch fehlt allerdings die Zusage von der amerikanischen Wettbewerbsbehörde.

Nicht ganz so euphorisch wie das Blue Chip Barometer präsentierte sich am Freitag der Nasdaq Composite. Sechs Tage in Folge tendierte der technologielastige Index schwächer. Auch wenn das zum Wochenabschluss lediglich um sechs Punkte gefallen ist, bedeutet das die längste Durststrecke seit knapp zwei Monaten.

Hintergrund für die schwächere Performance war der Softwarebereich. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte die Gewinnaussichten für Siebel und Oracle gesenkt. Die Lage im Software-Sektor werde sich wahrscheinlich verschlechtern, schreiben die Analysten. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die bisherigen Schätzungen "zu optimistisch" seien. Oracle werde einen Umsatzrückgang im Bereich der Datenbanksoftware von fünf Prozent verkraften müssen, vermuten die Analysten. Dennoch sollten sich Anleger eher an die Großen der Branche halten, wenn sie im Softwarebereich investieren wollen. Siebel verlor im Handelsverlauf knapp fünf Prozent, Oracle fiel um rund fünf Prozent.

Kursgewinne aus der Biotechnologiebranche bei von Dell und Worldcom hielten die Verluste jedoch in Grenzen. Auch das Chipunternehmen Rambus verbuchte zum Wochenabschluss deutliche Kursgewinne. Das Unternehmen hat in der Prozesswelle gegen mehrere Chiphersteller einen Teilerfolg erzielt. Das Unternehmen aus Palo Alto im Silicon Valley kämpft seit einem Jahr vergeblich um ausstehende Lizenzgebühren. Rambus hatte Chip-Hersteller, darunter die deutsche Infineon, beschuldigt, patentierte Technologien übernommen zu haben, ohne die Lizenzgebühren zu zahlen. Infineon hatte daraufhin gegen Rufschädigung geklagt und zumindest diesen Prozess nun verloren. Die Rambus-Aktie kletterte um 20 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch.

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