Stimmzettel in Gerichtsgebäude zwischengelagert
Oberstes US-Gericht schaltet sich in Streit um Präsidentenamt ein

Das Oberste Gericht der USA schaltet sich an diesem Freitag in den Streit um das Präsidentenamt zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore ein. Bei einer 90 Minuten langen Anhörung geht es in Washington um eine Klage der Republikaner, die damit eine Vorentscheidung im Tauziehen um die Wertung umstrittener Wählerstimmen anstreben.

dpa/afx WASHINGTON/TALLAHASSEE. Klagegegenstand ist eine Entscheidung des höchsten Gerichts von Florida. Es hatte Neuauszählungen von etwa 14 000 Stimmen in dem Bundesstaat zugelassen und dafür eine Frist bis vergangenen Sonntag gesetzt. Nach Auffassung der Republikaner hat es damit gegen die Gewaltenteilung verstoßen. Für sie wird der Staranwalt Theodore W. Olsen den Standpunkt begründen, für die Demokraten der nicht weniger prominente Laurence Tribe. Eine Entscheidung noch am Freitag gilt als unwahrscheinlich.

In Florida werden weitere Hunderttausende von Stimmzetteln aus dem Bezirk Miami-Dade unter scharfer Bewachung durch bewaffnete Sheriffs in die Hauptstadt Tallahassee gebracht. Dort sollen sie ebenso wie Stimmzettel aus Palm Beach in einem Gerichtsgebäude gelagert werden, bis über einen Gore-Antrag auf Neuauszählung entschieden ist.

Gores "Vize" Joseph Lieberman übte am Donnerstag scharfe Kritik an der Empfehlung eines Ausschusses an den republikanisch beherrschten Kongress in Florida, über die Vergabe der 25 Wahlmänner des Bundesstaates zu entscheiden. Dies würde eine Verfassungskrise heraufbeschwören, sagte er. Mit den 25 Stimmen hätte Bush eine Mehrheit von 271 zu 267 in dem Wahlmännergremium, das bei dem indirekten US-System über die Präsidentschaft entscheidet.

Neben der Anhörung vor dem höchsten US-Gericht erwarten die Amerikaner mit Spannung den Ausgang einer Privatklage im Seminole- Bezirk Floridas. Dort will ein Anwalt durchsetzen, Tausende von Briefwahlstimmen für ungültig erklären zu lassen, weil republikanische Wahlhelfer nachträglich Kennziffern eingefügt hätten. Ein Erfolg könnte Bush den Sieg kosten. Er hatte bei rund 6 Millionen abgegebenen Stimmen nur einen knappen Vorsprung von 537 erobert.

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