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Stinnes plant Großakquisition im Verkehrsbereich

Geplant ist, das zum Transportgeschäft gehörende Segment Logistische Systeme durch einen Zukauf in den USA oder Großbritannien auszuweiten, sagte der Vorstandsvorsitzende, Wulf H. Bernotat, am Montag bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen, die hohe Zuwachsraten aufwiesen.

vwd MÜLHEIM. Ehrgeizige neue Renditeziele und nach der Stärkung der Chemie eine weitere Großakquisition im Bereich Verkehr stehen auf dem Programm der Stinnes AG in Mülheim. Geplant ist, das zum Transportgeschäft gehörende Segment Logistische Systeme durch einen Zukauf in den USA oder Großbritannien auszuweiten, sagte der Vorstandsvorsitzende, Wulf H. Bernotat, am Montag bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen, die hohe Zuwachsraten aufwiesen. Ferner soll der vierte und kleinste Geschäftsbereich Sortimentslogistik umgebaut werden und im Verkehrssektor aufgehen. Der Konzernvorstand wird um zwei auf vier Mitglieder verkleinert.

Der nächste größere Wachstumsschritt sei im Verkehr vorgesehen, wozu nach geeigneten Übernahmekandidaten Ausschau gehalten werde, sagte Bernotat. Die bislang auf die Automobilindustrie konzentrierten Logistischen Systeme sollten zudem verstärkt auf die Elektronik-, die Luft- und Raumfahrt- sowie die Textilindustrie ausgerichtet werden. Die Sortimentslogistik soll mit den Logistischen Systemen zusammengelegt werden, den Handel aufgeben und stärker als Dienstleister fungieren. Die letzte größere Akquisition hatte Stinnes in der Chemiedistribution getätigt: Mit dem Erwerb der niederländischen HCI schwingt sich der MDax-Konzern zur weltweiten Nummer Eins der Branche auf.

Als Arrondierung des Sektors gab Stinnes jetzt den Kauf des spanischen Spezialchemikaliendistributeur Julia/Parrera mit Sitz in Barcelona bekannt. Das Unternehmen, das rückwirkend zum 1. Januar 2000 hinzukommt, beliefert die Pharma-, Nahrungsmittel- und Chemieindustrie und erzielt einen Umsatz von rund 40 Mill. Euro. Das Projekt einer engeren Zusammenarbeit zwischen Stinnes und der Deutschen Bahn ist weit gediehen und soll noch in diesem Monat verkündet werden. Es seien nur noch einige Punkte offen, die aber bis zu einer für den 28. November angesetzten Pressekonferenz geklärt würden, sagte Bernotat, der sich zu Einzelheiten nicht äußern wollte.

In der Vergangenheit hatte der Konzernlenker ein Joint Venture zwischen der Transporttochter Schenker und dem Bahnfrachtunternehmen DB Cargo als eine Möglichkeit zur Vertiefung der Kooperation bezeichnet. Neben den externen Projekten hat sich Stinnes intern eine Verbesserung der Effizienz vorgenommen. Bis 2002 sollen der Return on Capital Employed (ROCE) auf 13 % klettern (für dieses Jahr sind elf Prozent anvisiert), für den Cash-Flow Return on Investment (CFROI) gilt das Ziel 15 % (nach 13 % 2000), und die EBIT-Marge, die momentan bei 2,6 % liegt, soll auf drei Prozent steigen.

Als Gewinnziel für dieses Jahr peilt Bernotat nach wie vor einen erneuten Rekord beim Ergebnis vor Steuern an, das auf mehr als 200 Mill. Euro von 165 Mill. Euro zunehmen soll. "Am Jahresende wird Stinnes auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurückblicken können", betonte der Vorsitzende. Das dritte Quartal sei für den Konzern erneut "sehr stark" gewesen. Insgesamt steigerte die Stinnes AG bei einem um drei Prozent höheren Umsatz von rund neun Mrd. EUR ihr Betriebsergebnis in den vergangenen neun Monaten um 18,7 % auf 161 Mill. Euro. Um 38,5 % zog der Vorsteuergewinn von 198 Mill. Euro an, der von Buchgewinnen und deutlich niedrigeren Restrukturierungsaufwendungen geprägt ist.

Unter dem Strich verblieb ein um 42 % höherer Konzernüberschuss von 126,5 Mill. Euro. Eine Dividendenerhöhung wollte Bernotat nicht ausschließen. Das Ergebnis je Aktie übertraf am Ende des dritten Quartals mit 1,66 Euro bereits den gesamten Gewinn des Vorjahres von 1,29 Euro. Als Wachstumstreiber bei Umsatz und Gewinn erwiesen sich vor allem die Chemie sowie die See- und Luftfracht, außerdem wirkte sich der Europäische Landverkehr positiv auf die Zunahme des Betriebsergebnisses aus. Gesteuert wird der Konzern ab Januar von einer verkleinerten vierköpfigen Mannschaft: Nach dem Verkauf der Baustoff-Aktivitäten scheidet der zuständige Vorstand Michael Dornia aus, und Arbeitsdirektor Armin-Peter Bode tritt in den Ruhestand.

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