Stockholmer Unternehmen versorgt die Welt mit Schnupftabak, Zigarren und Streichhölzern
Swedish Match: Seltener Mix aus Profit und Wachstum

Der schwedische Hersteller von Streichhölzern, Feuerzeugen, Zigarren, Pfeifen- und Schnupftabak Swedish Match überzeugt beim Cash Flow, Wachstum und - mit Einschränkungen - auch bei der Aktienbewertung.

FRANKFURT/M. Das ist der Traum eines jeden Investors: eine Firma, die mit sicherem Geschäft tonnenweise Geld verdient und obendrein jede Menge Wachstumsmöglichkeiten bietet. Ach ja, und dieses Wachstum soll bitteschön noch nicht im Aktienkurs eingepreist sein.

Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal, das schafft nur Kinder-Überraschung (gehört zur nicht börsen-notierten Ferrero-Gruppe) - oder die in Stockholm gelistete Swedish Match AB. Naja, zumindest fast: Das Unternehmen überzeugt bei wichtigen Kriterien.

2003 wird Swedish Match einen freien Cash Flow von fast 2 Mrd. Kronen erzielen, schätzt die Deutsche Bank. Beim Wachstum steht die Sparte Schnupftabak gerade in den Startlöchern, die Welt zu erobern. Immer mehr Kunden nutzen Schnupftabak, um sich das Rauchen abzugewöhnen oder ihre Mitmenschen weniger mit ihrer Nikotinsucht zu belästigen.

In den USA, Russland und Indien steigt der Absatz bereits kräftig. Wenn die Europäische Union, wie derzeit diskutiert, ihr Schnupf-Verbot lockert, werden besonders die Dänen und Finnen stärker zugreifen. Schon heute erfreut sich das Schnupfen in ganz Skandinavien großer Beliebtheit. Nur kann Swedish Match in den EU-Ländern Finnland und Dänemark noch nicht legal verkaufen. Nur die Schweden erkämpften beim EU-Beitritt eine Ausnahmegenehmigung.

Bleibt der dritte Wunsch nach einer niedrigen Aktienbewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis über 17 auf Basis der Konsensprognosen für 2003 ist die Swedish-Match-Aktie ein wenig teurer als der Gesamtmarkt und deutlich höher bewertet als andere Tabaktitel.

Betrachtet man hingegen das Verhältnis Aktienkurs zu Cash Flow, so liegen die Titel mit einem Wert von 9,71 nur leicht über British American Tobacco (7,77). Und sie sind sogar billiger als die Aktien des US-Riesen Philip Morris (10,29).

Hinzu kommt: Zigaretten-Herstellern drohen in den USA Milliarden-Klagen ehemaliger Raucher. Swedish Match hält sich dagegen aus dem Zigarettengeschäft heraus. "Deshalb ist das Prozessrisiko viel geringer", sagt Fondsmanager Anko Beldsnijder von Griffin Capital. Er hat die Titel in seinem Europafonds übergewichtet. "Mit der Aktie kann man nicht viel falsch machen", sagt Beldsnijder.

Die heikle Frage, was mit dem hohen Cash Flow geschieht, hat die Firma aktionärsfreundlich gelöst: Sie kauft eigene Aktien zurück. Dadurch sinkt die Zahl der ausstehenden Titel, und das Gewinnwachstum je einzelne Aktie erhält einen zusätzlichen Schub. "So lange der Kurs nicht stark steigt, wird das Unternehmen die Rückkäufe wohl fortsetzen", meint Analyst Gerry Gallagher von der Deutschen Bank. Ob Kursanstieg oder steigender Gewinn je Aktie per Rückkauf - die Aktionäre gewinnen in jedem Fall.

Nach unten scheint der Swedish-Match-Kurs also recht gut abgesichert. Das zeigte nicht zuletzt der nur moderate Rückschlag im Juli-Börsencrash. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: "Wenn die Börsen sich kräftig erholen, wird die Aktie zurückbleiben", sagt Fondsmanager Beldsnijder. Denn Tabak zählt nun mal nicht zu den Branchen, die Investoren im Kursaufschwung besonders bevorzugen.

Die Kursphantasie steckt bei Swedish Match somit nicht in der Hoffnung auf eine Markterholung. Vielmehr dürfte der hohe Cash Flow und das Wachstum der Schnupfsparte die Aktie antreiben. Klingt allemal besser, als auf die nächste Börsenhausse warten zu müssen.

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