"Stockpicking" empfohlen
Dax-Ausblick: Anleger hoffen auf die Rally

"Jetzt wird es nur noch seitwärts gehen", lautet die Meinung einiger Händler. Optimisten erwarten dagegen den Dax zum Jahreswechsel bei 5 600 Punkten. Wichtige Konjunkturindikatoren könnten nächste Woche allerdings auf die Stimmung drücken.

Handelsblatt.com/vwd FRANKFURT/M. Seit dem Tiefstand vom 21. September verzeichneten die Märkte Kursgewinne von durchschnittlich fast 50 %, obwohl sich die Wirtschaft unterdesssen weiter abgeschwächt hat. Entsprechend hoch geschraubt ist die Erwartungshaltung an eine Konjunkturerholung zu Beginn des kommenden Jahres. Optimisten stützen sich auf gesunkene Ölpreise, weltweit niedrige Zinsen und vor allem auf das günstige wirtschaftspolitische Umfeld. Auch die Ausgabenprogramme in den USA schüren Hoffnungen, nicht aber auf die bislang eingegangenen Konjunkturdaten.

Die Mehrzahl der Wirtschaftszahlen weist weiterhin nach unten. So liegt der Einkaufmanager-Index sowohl für Euroland als auch für die USA weiterhin unter 50 Punkten und signalisiert damit einen weiter anhaltenden Rückgang der Geschäftstätigkeit. Das von der Europäischen Kommission berechnete Vertrauen der Industrie sowie der Konsumenten ging im November kräftig zurück. Schließlich bestätigt der für Oktober gemeldete Rückgang der deutschen Industrieaufträge die noch immer intakte konjunkturelle Abwärtsbewegung. Wie schnell das verbesserte wirtschaftspolitische Umfeld zu einer Konjunkturerholung führen wird und ob dies bereits zu Jahresbeginn der Fall sein wird, kann derzeit niemand zuverlässig sagen.

Anstieg am Mittwoch nicht fundamental begründet

Daher war bereits der starke Anstieg am Mittwoch nicht fundamental begründet, sondern psychologisch. "Viele Marktteilnehmer lassen ihre langfristigen Bedenken außer acht und erhöhen zum Jahresende hastig ihr zyklisches Engagement", meint David Bowers, Chef-Investmentstratege von Merrill Lynch. "Die jüngste Verkaufswelle bei den Anleihen und die Erholung der Metallpreise scheinen für eine Hausse zu sprechen", so der Experte weiter.

Der zunehmende Optimismus sei nicht überraschend, meint Bowers. Konjunkturell sensitive Aktien hätten nach dem 11. September vermutlich ein überverkauftes Niveau erreicht und die Barbestände seien in Folge Anfang Oktober auf ein außergewöhnlich hohes Niveau gestiegen. Allerdings habe die jüngste Rally viele dieser Spannungen bereits wieder gelöst.

Keine Kraft ohne anziehende Konjunktur

Ohne ein tatsächliches Anziehen der Konjunktur dürfte der Markt kaum die Kraft besitzen, die charttechnische Widerstandsmarke im Dax bei 5 400 Punkten nachhaltig zu überwinden, meinte ein Charttechniker. Für die kommenden Wochen sei eine Seitwärtsbewegung daher wahrscheinlich.

Aber es gibt auch optimistischere Sichtweisen. "Wir gehen von einem Dax-Stand von rund 5 600 Punkten zum Jahreswechsel aus", sagt Dieter Schwarz von Consors Capital, ein Anhänger der Jahresend-Rally. Für diese Einschätzung sieht der Stratege zwei Gründe: Zum einen sei die Liquidität derzeit sehr hoch. "Diese Gelder werden jetzt angelegt", meint Schwarz. Denn zurzeit seien viele Marktteilnehmer in Aktien untergewichtet. "Die Leute werden in den Markt regelrecht hineingezwungen", so der Experte.

Consors: Zielmarke des Dax liegt bei 5 600 Punkten

Und darin läge die Gefahr. So sei nach Erreichen der Zielmarke von 5 600 Zählern eine Konsolidierungsphase zu erwarten. "Dann müssen im kommenden Jahr gute Daten nachgereicht werden, um den Anstieg zu rechtfertigen", erklärt Schwarz. Er erwartet zu Beginn des neuen Jahres die Seitwärtsbewegung.

Commerzbank empfiehlt "Stockpicking"

Auch nach Ansicht von Commerzbank-Analysten gibt es einen deutlichen Kontrast zwischen der guten Stimmung an den Börsen und dem konjunkturellen Umfeld, wie zum Beispiel die in dieser Woche veröffentlichten deutschen Arbeitsmarktdaten zeigten. Die Kurssteigerungen der letzten Tage seien liquiditätsgetrieben und bedürften noch einer Bestätigung durch volkswirtschaftliche Daten und bessere Quartalsergebnisse der Unternehmen, heißt es.

Die Commerzbank empfiehlt in dieser Situation "Stockpicking", also Investments in Einzeltiteln mit bereits jetzt überzeugenden Ergebnissen. Dazu gehörten Daimler-Chrysler sowie die Deutsche Telekom, die allerdings stark konjunkturabhängig und entsprechend volatil sei. Im Technologiesektor böten Blue Chips wie Microsoft und AOL-Time gute Chancen, schreiben die Frankfurter in ihrem wöchentlichen Ausblick.

Die wichtigsten Termine der nächsten Woche:

Am Mittwoch werden die US-Import- und Exportpreise für den November, die deutsche Leistungsbilanz für Oktober veröffentlicht. Am Donnerstag erwarten die Märkte die Daten zu den US-Erzeugerpreisen im November. Der wichtigste Tag ist jedoch der Dienstag: Dann tagt der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve. Es gibt Hoffnungen im Markt, dass Greenspan des Jahr mit einer weiteren Zinssenkung beenden wird. "Dann gibt es sicher eine Jahresend-Rally", meint ein Händler.

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