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“Störe ich gerade?”

Claudia Tödtmann ärgert sich, dass so viele Leute mit den Handy-Rufnummern anderer so ungestüm und undiszipliniert umgehen.

Hassen Sie das auch? Sie sind gerade wirklich beschäftigt und Ihr Handy klingelt in einer unmöglichen Situation. Sie stehen zum Beispiel in der Apotheke und wollen gerade etwas ordern. Oder Sie sitzen in der Straßenbahn umgeben von etlichen Zuhörern oder - schlimmer noch und alles auch schon vorgekommen - Sie sind in der Toilette und eigentlich auf dem Weg zu einem Termin.

Bis dahin unvermeidbar, aber ab dann wird´s kurios: Sie sagen dem Anrufer gleich, wo Sie sich aufhalten oder was sie gerade machen. Sie geben - so meinen Sie jedenfalls - ihm deutlich zu verstehen, "es passt gerade nicht". Doch stört das jemanden? Weit gefehlt. Nie nicht.



Mit fröhlicher Unbeschwertheit lässt er sie zwar zu Worte kommen, aber überhört das Signal kurzerhand. Es wird weiter geplappert, was das Zeug hält - sturheil voraussetzend, der andere habe nur darauf gewartet, endlich angerufen zu werden.



Dass ich in Notfällen immer erreichbar sein will, ist das eine. Aber ich will dennoch nicht an jedermanns langer Leine überall, jederzeit und für jeden Belang zu haben sein. Ich fordere den erwachsenen Umgang mit Mobiltelefonen und vor allem höflichen Umgang. Dass jeder Handy-Besitzer alle paar Minuten hektisch sein Handy für fünf Minuten aus - und dann wieder anschalten solle - der Aufwand ist nicht nur albern, sondern verhindert womöglich die wenigen wichtigen Mitteilungen, die ich wirklich erhalten will - egal wo.



Noch besser wird es, wenn der Anrufer die widrigen Umstände am anderen Ende der Leitung nicht nur ignoriert, sondern obendrein noch beginnt, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen zu buchstabieren. Dass der Angerufene vielleicht weder etwas zu schreiben parat noch die Gelegenheit dazu hat, das kommt kaum einem Anrufer in den Sinn. Die kleine Frage "Haben Sie etwas zu schreiben da"? - sie hätte bereits viel zu viel Einfühlungsvermögen vorausgesetzt.



Ich wünsche mir jedenfalls standardmäßig als erstes, wenn mich jemand auf meinem Handy anruft, die höfliche Frage: "Störe ich gerade"? Soviel Zeit muss sein und so viel Anstand allemal.



Der Gipfel sind übrigens diejenigen, die haargenau wissen, dass sie stören - und nur deshalb überhaupt die Nummer des Mobiltelefons nutzen: Ich meine diejenigen, die erst das Festnetz anwählen, da aber auf das Besetztzeichen stoßen. Diese vermeintlich Cleveren nehmen bedrohlich zu. Warum sie nur vermeintlich clever sind? Alle diese Schlaumeier entblöden sich nicht einmal, sich schon im ersten Satz ganz unbekümmert zu offenbaren - und freuen sich wie ein Schneekönig über den gelungenen Trick: "Ich habe Sie auf dem Handy angerufen, weil bei Ihnen immer besetzt war."



Dumm nur, dass der Angerufene, der schon mit einem Gespräch vollauf beschäftigt ist, also auch dann noch keine Zeit zum Reden hat - jedenfalls nicht mit ihm. Oder soll man zwei Telefonate gleichzeitig führen?

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