Stoiber für das 'Schweizer Modell'
Bayern will doch nicht alle Rinder aus BSE-Herden leben lassen

Das neue Modell Edmund Stoibers sieht vor, Rinder die innerhalb eines Jahres vor und nach der Geburt des infizierten Rindes geboren worden sind ebenfalls zu töten. Dieser Sonderweg wurde am Dienstag vom Bundesgesundheitsministerium zurückgewiesen.

rtr/dpa MÜNCHEN/BERLIN. Bei BSE-Fällen will Bayern nun doch nicht alle restlichen Tiere einer Herde am Leben lassen. Übergangsweise solle es möglich sein, nur jene Rinder zu töten, die innerhalb eines Jahres vor oder nach der Geburt des mit der Rinderseuche infizierten Tieres geboren worden seien, sagte Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) am Dienstag in München in einer Regierungserklärung. Damit wich er von seiner bisherigen Position ab, bis zur bundesweiten Durchsetzung dieses Vorgehens alle Tiere zu verschonen. Das nun von Stoiber favorisierte Vorgehen entspricht dem Modell der Schweiz. Die Landwirte, die dieses Modell wählten, sollten staatliche Unterstützung erhalten, hieß es.

Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) hatte auf die Ankündigung Stoibers vom Vortag hin gesagt, er werde prüfen, ob dieser Alleingang im Interesse des Verbraucherschutzes sei. Allerdings gebe es "keine seuchenrechtliche Regelung", die den Schutz der Herde verbiete. Ebenfalls am Dienstag hatte der Landrat der Stadt Lindau am Bodensee, Manfred Bernhardt, den achten BSE-Fall in Deutschland und damit den sechsten im Freistaat bestätigt. Voraussichtlich werde nicht die komplette Herde getötet, kündigte er an.

Bundesgesundheitsministerium gegen bayerische Lösung



Das Bundesgesundheitsministerium sprach sich gegen den Sonderweg Bayerns aus, bei einem einzelnen BSE-Fall nicht mehr die ganze Rinder-Herde zu töten. Dies sei "äußerst problematisch", sagte Gesundheits-Staatssekretär Erwin Jordan am Dienstag in Berlin. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte der gesamte Bestand, wie im BSE-Krisenstab Ende November vereinbart, geschlachtet werden.

Zur Begründung sagte Jordan, es werde vermutet, dass die BSE- Infektion durch verunreinigte Futtermittel ausgelöst werde. In einem Stall würden Tiere in der Regel mit dem gleichen Futter gefüttert. Folglich müsse befürchtet werden, dass über ein Tier hinaus in einem Bestand auch weitere Tiere infiziert sein könnten. Dabei verwies Jordan darauf, dass auch negative BSE-Schnelltests nicht hundertprozentig aussagekräftig seien.

Die Frage des Umgangs mit Rinderherden bei einem einzelnen BSE- Fall sei abschließend noch nicht geregelt, sagte Jordan. Die Expertengespräche zu diesem Thema würden fortgesetzt. Die Federführung liege dabei beim Landwirtschaftsministerium.

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