Stoiber in bester Stimmung
Auf der Suche nach dem wahren Gewinner

Am Tag nach den Kommunalwahlen in Bayern schien Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber schon wieder bester Stimmung.

dpa MÜNCHEN. «Die Nebel haben sich gelichtet», verkündete er am Montag mit Blick auf die Ergebnisse der bayerischen Kommunalwahlen. «Die CSU ist die große kommunalpolitische Partei in Bayern geblieben.» Tatsächlich zeichnet sich ab, dass die CSU im landesweiten Schnitt ihr Ergebnis von 1996 halten, wenn nicht sogar übertreffen kann - ungeachtet der Blessuren, die die erfolgsverwöhnte Regierungspartei am Sonntag bei den prestigeträchtigen Oberbürgermeisterwahlen in den großen Städten hinnehmen musste. Trotzdem bleiben die SPD-Siege vor allem in den größten Städten München, Nürnberg und Augsburg für den Kanzlerkandidaten schmerzlich, zumal er Erfolge dort mit seinem Namen verknüpft hat. Auch die Schwesterpartei CDU zeigte am Montag großes Interesse, keine Missstimmung über die Schlappen im Stoiber-Land aufkommen zu lassen. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel äußerte sich überzeugt, dass die CSU «landesweit ziemlich gut» dastehe. Und der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende Christian Wulff sah am Ende der Auszählung gar einen «gigantischen Sieg» für die kleine Schwesterpartei. Union wie SPD sind sich einig, dass die weißblaue Abstimmung kein Testlauf für die Bundestagswahl am 22. September war. CDU und CSU sind aber zumindest für die Motivation der eigenen Anhänger auf gute Vorzeichen aus Bayern angewiesen - immerhin war die Kommunalwahl vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 21. April die letzte landesweite Abstimmung vor dem großen «Showdown» im Herbst. Ein Sieger Stoiber kann am ehesten den innerparteilichen Zusammenhalt garantieren, den die Union nach den Querelen um die Kanzlerkandidatur für einen Erfolg im Bund braucht. Sollte dagegen eine Diskussion um die Siegeschancen des Herausforderers von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) aufbrechen, wäre jede Aussicht auf Erfolg von vornherein verspielt. Die Bayern-Opposition nutzt deshalb genüsslich die Gelegenheit, Stoiber persönlich für die Patzer in seinem Stammland verantwortlich zu machen. Der von der CSU erhoffte Rückenwind durch die Kanzlerkandidatur sei überwiegend ein Gegenwind geworden, frotzelte SPD-Landeschef Wolfgang Hoderlein. Und Grünen-Landeschef Jerzy Montag sprach von einem «Umkehrschub». In der CSU geht die Fehleranalyse naturgemäß in eine andere Richtung. Nach Ansicht von Landtagsfraktionschef Alois Glück fehlte dem Wahlkampf der «motivierende Zündstoff». Es habe kein Streitthema gegeben, dass die Bürger wirklich in die Wahlkabinen gebracht hätte, erklärte er. Und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel machte letztlich die Politik der rot-grünen Bundesregierung für die mangelnde Mobilisierung der Wähler verantwortlich. Die Bürger seien darüber so enttäuscht, dass sie auch das Interesse an einer Kommunalwahl verlören. Genau dies sehen nun alle Parteien für die nächsten zwei Wochen als wichtigste Aufgabe: möglichst viele Wähler für die zahlreichen Stichwahlen am 17. März zu begeistern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%