Stoiber-Sieg soll Nachfrage steigern
Konsumflaute belastet den Einzelhandel

In Zeiten hoher Lohnabschlüsse und großen Preisdrucks können Handelskonzerne alles andere gebrauchen als Kaufzurückhaltung.

DÜSSELDORF. "Wir werden wohl unsere Ertragsschätzungen um 30 bis 40 Prozent zurücknehmen müssen", erklärt Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe, im Vorfeld der AVA-Analystenkonferenz am Mittwoch. Der MDax-notierte Bielefelder Handelskonzern verzeichnete im ersten Quartal 2002 einen flächenbereinigten Umsatzrückgang um vier Prozent. Man leide unter der seit Beginn des Jahres ausgeprägten Konsumschwäche, berichtete der AVA-Vorstandsvorsitzende Kurt Lindemann am Dienstag in Gütersloh.

AVA ist ein Spiegelbild der Branche: Das erste Quartal war im Einzelhandel nach Ansicht von Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg von Konjunkturunsicherheit und Euroskepsis geprägt. "Für die Konsumenten hat die Einführung des Euro zumindest in der Wahrnehmung zu einer Teuerung geführt", erklärt er.

Neben dem schwachen Konsumklima leide die Branche aber vor allem unter Strukturproblemen, meint Schlienkamp. Im Einzelhandel herrsche derzeit Preisaggressivität. "Schlussverkäufe beginnen immer früher und ständig werden Rabattaktionen gestartet", beschreibt Kleibauer die Situation. "Es gibt praktisch keine Normalpreiszeiten mehr." Zudem sei der Handel ein sehr personalintensives Geschäft, was man nicht wie in der Industrie mal eben ins Ausland verlagern könne.

Bundestagswahl wird wichtiges Datum

Trotzdem beurteilt Kleibauer die hohen Lohnabschlüsse nicht nur negativ. "Zusammen mit Steuersenkungen könnten sie auch einen Nachfrageeffekt auslösen", meint der Experte. Wichtig sei in diesem Zusammenhang der Ausgang der Bundestagswahl, sagt Lampe-Analyst Schlienkamp. "Ein Regierungswechsel würde vermutlich das Konsumklima aufhellen." Grund für die Annahme: Die Bürger könnten angesichts versprochener Steuersenkungen mehr konsumieren. Und das vor allem im für den Einzelhandel so wichtigen vierten Quartal.

Schlienkamp rät Anlegern in jedem Fall die Entwicklung des Konsumklimas noch abzuwarten. Nach Ansicht von Kleibauer sei das schwache Umfeld zwar bereits eingepreist, doch man müsse sich die Werte sehr genau anschauen. Der Analyst von M.M. Warburg setzt auf Metro. Das Unternehmen sei insbesondere in den Wachstumsmärkten gut positioniert.

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