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Stoiber steht vor großem Triumph

Dass die CSU die Wahl in Bayern gewinnt, ist längst klar. Sollte Stoiber die 60 Prozent schaffen, dürfte er nach der Wahl auch bundespolitisch gestärkt auftreten.

rtr MÜNCHEN. Das Rennen in Bayern ist längst gelaufen. Der Wahlkampf plätschert vor sich hin, die SPD ist im Freistaat für Ministerpräsident Edmund Stoiber kein wirklicher Gegner, und die erneute absolute Mehrheit der CSU scheint sicher wie das Amen in der Kirche. So wird allgemein auch nicht die Frage als entscheidend angesehen, ob Stoiber gewinnt. Spannend ist, wie hoch der Sieg ausfällt. Nimmt der CSU-Vorsitzende leicht die 60-Prozent-Marke, dürfte der 61-Jährige bundespolitisch wieder stärker auftrumpfen: "Mit dem Höhenflug wachsen dann auch die bundespolitischen Ambitionen Stoibers", heißt es Kreisen der Landtagsfraktion.

Stoiber hatte sich nach seiner Wahlniederlage gegen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) nach anfänglicher starker Präsenz in Berlin zwar etwas stärker auf seine Rolle als Ministerpräsident zurückgezogen, wirklich verabschiedet aus der Bundespolitik hat er sich aber nie. Den Landtagswahlkampf bestritt er nun überwiegend mit Themen, die die ganze Republik bewegen. So versuchte er sich - nicht immer zur Freude der Schwesterpartei CDU - mit Forderungen nach harten Einschnitten in das soziale Netz als Reformmotor der Union zu profilieren. Und beim Thema Steuerreform führt er die Riege der Unionspolitiker an, die sich klar für das von der Regierung vorgeschlagene Vorziehen von Entlastungen aussprechen. Hier scheute er auch den heftigen Streit mit Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) nicht, der mit Blick auf seine klammen Landeskassen vehement gegen vorzeitige Steuerentlastungen eintritt.

Ein furioser Wahlsieg am 21. September dürfte die Debatte weiter anheizen, ob sich Stoiber noch mit dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten begnügt. Mit etwas Glück könnte Stoiber das Rekordergebnis von Alfons Goppel aus dem Jahr 1976 mit 62,1 % übertreffen und sogar bis an die Zwei-Drittel-Mehrheit heran kommen.

Schon seit längerem wird in der Union spekuliert, ob Stoiber Nachfolger von Bundespräsident Johannes Rau werden könnte. Stoiber hat dem stets widersprochen, und auch in der CDU werden die Dementis zunehmend als glaubwürdig erachtet. Stoiber - so wird argumentiert - könnte mit einem Wahltriumph im Rücken seinen Einfluss in der Union noch ausbauen - und deshalb keine Lust verspüren, die wenig einflussreiche und stark repräsentative Aufgabe des Staatsoberhauptes zu übernehmen.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hat es so formuliert: "Ich kann mir Edmund Stoiber nicht in einem Amt vorstellen, das keine politische Macht hat, solange er aktiver Politiker ist." Manch einer in der Union munkelt gar, Stoiber könnte sich Chancen ausrechnen, 2006 im zweiten Anlauf den Sprung ins Kanzleramt zu schaffen. Dagegen spricht allerdings, dass Stoiber dann mit 64 Jahren relativ alt wäre. In der Landtagsfraktion heißt es: "Er genießt es, für welche Ämter er alles in Frage kommen soll."

Unabhängig von Spekulationen um die Zukunft Stoibers wird ein Stühlerücken an den Schaltstellen der Partei und Fraktion erwartet. Landtagsfraktionschef Alois Glück zieht sich nach der Wahl als Altersgründen zurück. Als ein Kandidat für seine Nachfolge gilt Erwin Huber, der Chef der Staatskanzlei. Ihm oder einem anderen Nachfolger hinterlässt Glück ein schwieriges Erbe. Er galt als Vordenker und Strippenzieher im Hintergrund und nicht selten auch als Gegengewicht zur Staatskanzlei, die sich häufig in die Belange der Partei und der Landesministerien einmischt. Glück ist zudem einer der wenigen CSU-Politiker, der Stoiber auch die Leviten liest, etwa als in Bayern die BSE-Krise außer Kontrolle zu drohen geriet.

In Parteikreisen gilt es zudem als wahrscheinlich, dass CSU-Generalsekretär Thomas Goppel ins Kabinett wechselt. Nachfolger könnte der aufstrebende Medienpolitiker Markus Söder werden, der als Chef der Jungen Union Bayern abgetreten ist und auf dem Parteitag für kein neues Amt kandidierte. Mit einer Ernennung des 36-Jährigen würde Stoiber auch die Überalterung der Spitzenriege angehen: Außer Söder wäre nur noch die 41 Jahre alte Strauß-Tochter und Kultusministerin Monika Hohlmeier mit Abstand eine der Jüngeren, während der Altersdurchschnitt seines Kabinetts bei 56 Jahren liegt. Nicht zuletzt deshalb wurde Stoibers Mannschaft häufiger als Riege der "74er" bezeichnet - in Anspielung auf den Einzug vieler Mitglieder in den Landtag 1974.

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