Stoiber weiter klar vor Schröder
Wirtschaftselite pocht auf Regierungswechsel

Die FDP ist durch den Antisemitismus-Streit im Ansehen der Top-Manager tief gestürzt. Doch für deren Optionen nach der Bundestagswahl spielt das offenbar keine Rolle: Ein schwarz-gelbes Bündnis wäre der Wirtschaft am liebsten.

DÜSSELDORF. Die Äußerungen des stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann zum Vorgehen Israels im Konflikt mit den Palästinensern und seine Auseinandersetzung mit dem Zentralrat der deutschen Juden haben die Liberalen erheblich an Reputation bei den Wirtschaftsführern gekostet. Dies ergab der Handelsblatt Business-Monitor im Juni. Die Leistungsbewertung der FDP-Opposition, die im Mai nach dem Wahlparteitag der Liberalen noch auf einen neuen Höchststand gestiegen war (Durchschnittsnote 2,8 auf der von 1 = "sehr gut" bis 5 = "sehr schlecht" reichenden Skala) sackte auf 3,5 ab: Hatten zuvor nur 14 Prozent der Manager das Auftreten der Liberalen als (sehr) schlecht kritisiert, so ist ihre Zahl im Juni auf 54 Prozent angestiegen.

Darüber hinaus glauben die Top-Manager mit großer Mehrheit (60 %), das Auftreten Möllemanns werde der FDP als Partei generell schaden - nicht zuletzt vor dem Hintergrund der bevorstehenden Bundestagswahl (Grafik). Ein Fünftel (21 %) hingegen vermutet, die Liberalen würden eher Nutzen aus diesen Vorgängen und Debatten ziehen, etwa durch erhöhte Attraktivität auch für Wähler aus dem rechten politischen Spektrum.

Überwiegend skeptisch wird in diesem Zusammenhang die Durchsetzungsfähigkeit des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle beurteilt. 62 Prozent der Manager finden, Westerwelle habe in dieser Auseinandersetzung mit seinem Stellvertreter Führungsstärke vermissen lassen. Nur 36 Prozent meinen, der Parteichef habe den eskalierenden Konflikt gut gemanagt.

Dennoch erhält Westerwelle für seine Arbeit in den letzten Wochen von den Führungskräften eine bessere Note (3,2) als seine Partei insgesamt (3,5). Dabei urteilen 40 Prozent explizit, der FDP-Vorsitzende habe seine Sache zuletzt (sehr) schlecht gemacht. Diese Beurteilung fällt günstiger aus als beispielsweise die für den SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzler Gerhard Schröder (3,4). Schröder erhält allerdings immerhin den bisher günstigsten Wert seit Jahresanfang.

Grafik

Der Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber kommt aber dennoch auf eine weit bessere Leistungsbewertung. Nach 2,8 im Mai erhält er nun die Note 2,7 (Grafik). Auch im direkten Vergleich ziehen die Führungskräfte den Herausforderer dem Amtsinhaber klar vor: Im Juni 2002, ein Vierteljahr vor der Bundestagswahl, plädieren 71 Prozent für Stoiber als künftigen Regierungschef, mit 19 Prozent ist Schröder weit abgeschlagen.

Eben so klar treten die Wirtschaftsführer für einen Regierungswechsel nach der Wahl im September ein: 70 Prozent bevorzugen eine Koalition von CDU/CSU und FDP, nur einem Zehntel (10 %) wäre eine Fortsetzung von Rot-Grün lieber. Auch eine Große Koalition von Union und SPD (9 %) oder ein sozial-liberales Bündnis (7 %) wird nur von kleineren Gruppen gewünscht.

Einen klugen Zug hat Stoiber nach Einschätzung der Top-Manager auch gemacht, als er den Jenoptik-Chef Lothar Späth in sein "Kompetenzteam" aufgenommen hat. Dies halten 88 Prozent für eine gute personelle Wahl.

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