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Stoibers Pleiten

Nicht erst seit Fairchild Dornier: Es brennt in Bayerns Wirtschaft. Und Stoibers liebste Feuerwehr, die Landesbank, dreht den Hahn zu.

Seinen persönlichen Leidensgang tritt der gläubige Christ Edmund Stoiber erst nach den Ostertagen an. Die Feiertage verbrachte der bayerische Ministerpräsident noch beim Schifahren unter der Sonne des schweizerischen Ferienorts Samnaun. Und in der "Bild am Sonntag" ließ sich der Kanzlerkandidat vierfarbig als glücklicher Familienvater ("Wir alle werden den Papi wählen") feiern.

Doch nun, Stoiber trifft gerade wieder in München ein, meldet der Flugzeugbauer Fairchild-Dornier Insolvenz an. Der Kirch-Gruppe droht ähnliches. "Das ist eine blitzgefährliche Geschichte für Stoiber", heißt es in Münchner Regierungskreisen.

Die beiden spektakulären Fälle sind nur der vorläufige Höhepunkt. Tausende von Arbeitsplätzen in Bayern stehen auf dem Spiel. Und das Image Stoibers als Wirtschaftsmacher ist in Gefahr. Die Strategie des Kanzlerkandidaten, mit den Erfolgen der bayerischen Wirtschaft im Kampf gegen Gerhard Schröder zu punkten, ist durchkreuzt.

Schon im November wurde die nordbayerische Schmidt-Bank in letzter Minute vor dem Aus bewahrt. Im Januar musste der Fernsehproduzent Schneider, seit Jahren mit staatlicher Hilfe Bayerns am Leben erhalten, endgültig zum Konkursrichter. Auch der Todeskampf des fränkischen Stahlwerks Maxhütte, ebenfalls seit langem mit Millionen aus München gepäppelt, geht wohl bald zu Ende.

Außerdem trifft die weltweite Hightech-Krise Bayern besonders hart. Infineon, Siemens, Epcos, Viag Interkom müssen Hunderte Stellen streichen. Und aus den Arbeitsplätzen, die die Hauptverwaltung von US-Medien-Millionär John Malone und seiner Liberty Media nach München bringen sollte, wird nach dem Scheitern des Telekom-Deals nichts.

Klar ist: Bei Fairchild fühlt sich Stoiber nun in der Pflicht. Die Staatsregierung kündigte - wie das Bundeswirtschaftsministerium - bereits an, an der Rettungungsaktion teilnehmen zu wollen. Noch gestern wollten Finanz- und Wirtschaftsministerium in Gesprächen mit den Beteiligten klären, " wie die Liquidität sicher gestellt werden kann".

Allerdings scheint Stoibers liebstses industriepolitisches Instrument stumpf geworden. Die Bayerische Landesbank, zu 50 Prozent in Besitz des Landes, ist offensichtlich nicht mehr bereit, um jeden Preis seine Vorstellungen zu realisieren. Der neue Bankchef Werner Schmidt geht demonstrativ auf Distanz zum Ministerpräsidenten. "Wir sind keine Befehlsempfänger der Politik", versichert der Schwabe, der auch die Krisengespräche zur Kirch-Rettung leitet. Denn die Landesbank muss zunächst vor der eigenen Haustür kehren. Bis zu zwei Milliarden Euro hat sie Leo Kirch geliehen. Auch bei Fairchild Dornier und beim Baukonzerns Holzmann ist die Landesbank mit hohen Summen dabei. Die Risikovorsorge für faule Kredite musste schon im vergangenen Jahr deutlich auf 1,2 Milliarden Euro erhöht werden.

Die bayerische Staatskanzlei schweigt zu den brisanten Fällen. "In solchen Situationen hält man doch besser die Klappe", sagt ein Leidtragender. Hinter den Kulissen hat die Suche nach einem Schuldigen für den schlimmsten Fall, einen Konkurs von Kirch, schon begonnen: CSU-Finanzminister Kurt Faltlhauser. Der in der eigenen Partei umstrittene Wirtschaftsprofessor ist nicht nur Vizechef des Verwaltungsrates der Landesbank und muss alle Großkredite absegnen. Der 61-Jährige ist als Finanzminister auch für die 90-Millionen-Euro-Bürgschaft zuständig, die für Fairchild Dornier gewährt wurde.

Aus der Schusslinie kommt damit nicht nur Stoiber selbst. Auch sein Staatskanzleichef Erwin Huber kann in Deckung gehen. Der CSU-Minister, der bei einem Wahlsieg der Union mit Stoiber nach Berlin gehen könnte, hat sich Ende Januar schon klammheimlich aus dem Verwaltungsrat der Landesbank verabschiedet. Auch vom Fall Kirch will der Stoiber-Mann nichts wissen. "Dabei war Huber doch bisher der große Medien-Zampano", heißt es verwundert in Münchner Bankkreisen.

Noch im vergangenen Jahr hatte er bei der Hypo-Vereinsbank wegen der Finanzierung des Formel 1-Einstiegs Kirchs interveniert - vergebens. Am Ende gab die Landesbank frisches Geld.

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