Stoibers zukünftige Rolle auf Bundesebene unklar
CSU macht CDU als Schwachpunkt aus

Nach der Niederlage der Union bei der Bundestagswahl ist erstmals aus der CSU erhebliche Kritik an der Schwesterpartei CDU laut geworden. "Von der CDU ist ein bisschen zu wenig gekommen", sagte Landesjustizminister Manfred Weiß am Mittwoch am Rande einer Fraktionssitzung in München.

dpa BERLIN/MÜNCHEN. Zudem ringt die Union noch um die genaue Festlegung der künftigen Rollen von CDU-Partei - und Fraktionschefin Angela Merkel und dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber. Unklar blieb insbesondere, welchen bundespolitischen Einfluss der Ex-Kanzlerkandidat künftig nehmen will.

Mit Blick auf das schlechte Abschneiden der CDU im Osten meinte Weiß, Wahlergebnisse wie in Brandenburg mit "20 % und ein paar Zerquetschten" seien zu dürftig. Wissenschaftminister Hans Zehetmair (CSU) sprach von einer mangelnden Parteiorganisation etwa in Schleswig-Holstein: "Die sind halt doch im Verhältnis recht unbedarft."

Der bayerische Fraktionsvize Joachim Herrmann sagte: "Dass die Wahlergebnisse zwischen Berchtesgaden und Flensburg deutlich differieren, ist unübersehbar." "Vergangenheitsbewältigung" nütze jetzt nichts. Fraktionschef Alois Glück warnte vor Schuldzuweisungen. Auch aus der CSU-Landesgruppe in Berlin wurde vor überheblichen Verhalten gegenüber der Schwesterpartei gewarnt.

Die Union hatte am Sonntag eine gemeinsame Regierungsmehrheit mit der FDP verfehlt, obwohl die CSU im Freistaat überraschend gute 58,6 % zu dem gemeinsamen Ergebnis beitrug. Bundesweit gerechnet sind dies neun Prozent für die Christsozialen, die damit als drittstärkste Kraft noch vor den Grünen liegen.

Nach der Wahl von Merkel zur Fraktionschefin in Berlin wertete CSU-Landesgruppenchef Michael Glos dies ausdrücklich nicht als Vorentscheidung für die Kanzlerkandidatur 2006. Genauso hatte sich auch zuvor Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble geäußert. Glos, der die Landesgruppe seit 1993 führt und am Dienstag mit 96 % in seinem Amt bestätigt worden war, meinte, dass die Kanzlerkandidatur auch in vier Jahren danach entschieden werde, mit wem die Union die größten Erfolgsaussichten habe.

Auch aus der Umgebung Merkels hieß es, dass die 48-jährige keinen Automatismus in der Frage der Kanzlerkandidatur sehe. Jetzt am Anfang der Legislaturperiode sei nicht der Zeitpunkt, um über die Kandidatenfrage nachzudenken. Die Fraktion hatte nach einem kurzen innerparteilichen Machtkampf Merkel mit einer Zustimmung von 92 % zur Nachfolgerin von Friedrich Merz gewählt. Glos meinte, die politische Karriere des Ex-Fraktionschefs sei noch nicht am Ende.

Nach Darstellung von Glos ist Stoiber für die gesamten nächsten vier Jahre bereit, weiterhin als Kanzlerkandidat zur Verfügung zu stehen, wenn er gebraucht werde. "Das Wahlversprechen gilt für eine Legislaturperiode." Stoiber äußerte sich hierzu zurückhaltend. "Das ist jetzt sicher nicht mein Thema", meinte Stoiber in München. Seine künftige Aufgabe zwischen der CSU-Landtagsfraktion in München und der Unionsfraktion in Berlin beschrieb er so: "Ich bin Landestrainer, aber hin und wieder muss ich auch bei der Nationalmannschaft vorbeischauen."

In der Unionsfraktion hat unterdessen ein Gerangel um die Stellvertreter-Posten Merkels eingesetzt. Klar ist, dass die CSU den früheren Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer wiederum vorschlagen wird. Fragezeichen sollen aber hinter einer Reihe von amtierenden stellvertretenden Vorsitzenden stehen, die von der CDU gestellt sind. Führende ostdeutsche CDU-Politiker haben nach der verlorenen Bundestagswahl mehr Wirtschaftskompetenz in ihrer Partei gefordert. Sachsens CDU-Chef und Ministerpräsident Georg Milbradt sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", es fehlten für dieses Thema kompetente Personen in den eigenen Reihen.

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