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Stolpe: 2008 kein Dogma für Börsengang der Bahn

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) will sich anders als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht auf 2008 als Jahr des Börsengangs der Bahn festlegen.

dpa BERLIN. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) will sich anders als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht auf 2008 als Jahr des Börsengangs der Bahn festlegen.

"Niemand jagt uns. Das könnte 2008 passieren, das Datum ist aber kein Dogma", sagte Stolpe der "Bild am Sonntag". Zugleich mahnte Stolpe beim Bahn-Vorstand eine Verbesserung der Leistungen des Unternehmens an. "Zentral sind Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, guter Service. Ich bin sicher, dass die Verantwortlichen bei der Bahn ganz genau wissen, dass sie da weiter zulegen müssen." Auch mit ihrem Preissystem sei die Bahn "noch lange nicht am Ende aller Wege".

Mehdorn hat laut "Welt am Sonntag" für diesen Montag eine Sondersitzung des Bahnvorstandes angeordnet. Dabei solle über eine überzeugende Strategie zum Erreichen der Börsenfähigkeit bis 2008 nachgedacht werden. Am Mittwoch trifft Mehdorn im Verkehrsausschuss voraussichtlich auch auf die Parlamentarier von Union, SPD, Grünen und FDP, die seine Börsenpläne kritisieren und in den vergangenen Tagen immer wieder seinen Rücktritt gefordert hatten. Mehdorn hält nach Darstellung des Blattes unbeirrt daran fest, die Bahn nur gemeinsam mit dem Schienennetz an die Börse zu bringen. Der FDP - Politiker Horst Friedrich sagte der Zeitung dagegen: "Einen Börsengang mit Netz wird es nicht geben. Die Mehrheit lehnt dies ab."

Der Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, warf Industrie und Verbänden im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vor, mit ihren Forderungen lediglich lukrative Einzelgeschäfte aus der Bahn herausbrechen zu wollen. Und die Verkehrspolitiker der Grünen und der Opposition betrieben entsprechende Klientelpolitik: "In Wahrheit erleben wir einen Generalangriff auf den Konzern." Der Politik hielt Hansen mangelnde Unterstützung des Unternehmens vor.

Das Verkehrministerium wies indessen erneut Berichte zurück, wonach die Bundesregierung trotz öffentlicher Unterstützung des umstrittenen Bahn-Chefs bereits nach einem Nachfolger suche. Ein Sprecherin bekräftigte am Samstag Äußerungen von Stolpe und Schröder, Mehdorn sei ein "durchsetzungsfähiger Unternehmer" und "der richtige Mann" für den weiteren Umbau der Bahn.

Stolpe sagte der "Bild am Sonntag" zudem, wegen seines harten Sanierungskurses habe sich Mehdorn bis in die Politik hinein nicht nur Freunde gemacht. Mit seiner kantigen Art habe er die Zahl seiner Kritiker eher noch erhöht. "Es wird ihn bestimmt nicht wundern, dass er in einer so schwierigen Situation mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wird." Er selbst habe aber keinen Anlass, Mehdorn das Vertrauen zu entziehen, sagte der Verkehrsminister.

Politiker von Koalition und Opposition hielten Mehdorn im Nachrichtenmagazin "Focus" einen "Rambostil" vor und forderten erneut seinen Rücktritt. Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer sagte: "Hartmut Mehdorn wollte mit dem Kopf durch die Wand, jetzt ist er auf eine Betonmauer geprallt." "Focus" wie "Bild"-Zeitung spekulieren über eine Ablösung Mehdorns. Laut "Focus" rettet diesen derzeit lediglich der Mangel an guten Nachfolgern.

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