Archiv
Stolpe kündigt Prüfung des Maßregelvollzuges an

Weiterhin fehlt jede Spur vom flüchtigen Sexualverbrecher Schmökel. Die Polizei konzentriert ihre Suche auf Strausberg, Militäranlagen und eine Müllkippe wurden durchkämmt.

ap STRAUSBERG/POTSDAM. Nach der Flucht des Sexualverbrechers Frank Schmökel aus einer Brandenburger Nervenklinik hat Ministerpräsident Manfred Stolpe eine Überprüfung der psychiatrischen Behandlung von Schwerverbrechern angekündigt. ''Über die Methodik des Maßregelvollzuges müssen wir uns noch Gedanken machen'', erklärte der SPD-Politiker im ORB-Hörfunk. Ausdrücklich stellte er sich hinter den zuständigen Gesundheitsminister Alwin Ziel, der wegen der Flucht in die Kritik geraten war. Die Polizei fahndete auch am sechsten Tag ohne Erfolg nach dem als gefährlich und unberechenbar geltendem Schmökel.

Pflichtverletzung durch Bewacher

Stolpe sagte, die beiden Bewacher hätten ihre Pflichten verletzt. "Dem Kollegen Ziel kann man dagegen keinen Vorwurf machen.'' Die Praxis des Maßregelvollzuges war kritisiert worden, weil dem Triebtäter bereits zum sechsten Mal die Flucht gelang. Unter Druck steht vor allem die Leitung der Nervenklinik Neuruppin. Die Staatsanwaltschaft prüft ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Ärzte, die den Besuch Schmökels bei seiner Mütter genehmigt hatten.



Bislang keine Spuren

Die Polizei konzentrierte ihre Suche auch am Dienstag auf den Raum Strausberg, wo der 38-Jährige am vergangenen Mittwoch entkommen war. Etwa 40 Beamte mit Hunden durchkämmten nach Angaben eines Sprechers in Frankfurt an der Oder ein leer stehendes Kasernengelände der früheren Nationalen Volksarmee, eine Müllkippe und eine alte Bunkeranlage. Sie entdeckten jedoch keine Spuren des 38-jährigen Triebtäters. Mittlerweile seien mehr als 400 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, sagte ein Sprecher. Auch die bundesweite Zielfahndung wurde fortgesetzt.

Auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes steht der Flüchtige mittlerweile an der Spitze einer Liste mit den ""meistgesuchten Personen''. ""Schmökel führt möglicherweise ein Messer mit sich und gilt als äußerst gefährlich'', heißt es neben dem Fahndungsfoto des wegen versuchten Mordes und sexueller Misshandlung von Kindern zu 14 Jahren Haft Verurteilten. Die Personenbeschreibung kann unter beim BKA online abgerufen werden.



Bei letzter Flucht 13 Tage verschwunden -

Nach Angaben der Polizei war Schmökel während seiner vorangegangenen Flucht 13 Tage verschwunden. Er sei durchaus in der Lage, längere Zeit im Wald zu überleben. Mehrmals habe er sich damit gebrüstet, unabhängig in der Natur leben und sich von Würmern und Beeren ernähren zu können. ""Wir warten aber inständig darauf, dass er irgendwo auftaucht'', erklärte der Sprecher.

Der Insasse des Maßregelvollzuges in der Nervenklinik Neuruppin hatte während eines Besuches bei seiner Mutter in Strausberg eine Zigarettenpause seiner Bewacher zur Flucht genutzt. Die beiden Pfleger sind inzwischen vom Dienst suspendiert worden. Schmökel war 1994 wegen versuchten Mordes und sexueller Mißhandlung mehrerer Kinder zu 14 Jahren Haft verurteilt und in die Klinik eingewiesen worden.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%