Stoxx 50 gibt nach
Europäische Börsen nähern sich Fünf-Jahres-Tief

Gewinnwarnungen etlicher Unternehmen lasten auf den Märkten. Zudem herrscht Angst vor einem Krieg im Irak.

Reuters FRANKFURT. Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag im grossen und ganzen auf dem niedrigsten Kursniveau seit fünf Jahren notiert. Der DJ Stoxx50-Index lag 1,7 Prozent im Minus bei 2387 Punkten. Gewinnwarnungen einer ganzen Reihe von Unternehmen belasteten die Märkte ebenso wie schwächer als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftsdaten zur Arbeitslosigkeit und zum Baugewerbe.

Über all dem schwebten nach Angaben von Händlern neue Irak-Unsicherheiten, nachdem die amerikanische Regierung ihre Tonart gegenüber dem Irak deutlich verschärft hat.

Mit Ausnahme des defensiven Lebensmittelsektors lagen alle Marktbereiche im Minus. Das Schlusslicht bildeten die Industriewerte. Deutliche Abgaben verzeichneten aber auch Zykliker und Pharmawerte. Die Titel des grössten europäischen Rüstungskonzerns BAE Systems und des französischen Maschinenbauers Alstom führten im Industriebereich das Feld der Verlierer mit Kurseinbussen von über 13 Prozent an. Zyklische Titel litten unter der Gewinnwarnung des französischen Catering-Unternehmens Sodexho. Die Titel brachen rund dreissig Prozent ein. Den Abwärtstrend verstärkten defensive Titel wie GlaxoSmithKline, Roche und Bayer. Die Papiere verloren zwischen 3,8 und 4,1 Prozent.

Aktien als Anlageform seien im Moment überhaupt nicht gefragt, sagte ein Händler. Gesucht seien sichere Häfen wie Gold und staatliche Schuldverschreibungen.

LONDON - Die Londoner Börse litt unter anhaltenden Konjunktursorgen sowie schwachen US-Wirtschaftsdaten. Der FTSE 100-Index rutschte um 1,3 Prozent auf 3813 Zähler ab. Unter Druck standen neben den Industriewerten auch die Finanztitel sowie zyklische Aktien. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen die Aktien des grössten europäischen Rüstungsunternehmens BAE Systems, welche nach Bekanntgabe eines Gewinnrückgangs für das erste Quartal um rund 13,6 Prozent schwächer notierten. Verluste von vier und fast sechs Prozent verbuchten Rolls Royce und Invensys. Bei den Banken verzeichneten die Schwergewichte HBOS und Royal Bank of Scotland Kursverluste von 3,7 und 2,8 Prozent. Im Bereich Einzelhandel legten William Morrison nach einem guten Zwischenbericht zu. Andere Titel des Sektors schlossen schwächer.

ZÜRICH - Der grosse Eurex-Verfall vom Freitag und die trüben Konjunkturaussichten setzten den Schweizer Aktien zu. Die negativen Konjunkturmeldungen setzten vor allem den Banken und zyklischen Werten zu, sagten Händler. Der SMI schwankte zwischen 4868,4 und 4710,5 Punkten und schloss 1,74 Prozent tiefer auf 4730,6 Punkten. CS Group war nach Auskunft von Händlern das Thema Nummer eins. Der Rücktritt von CEO und Verwaltungsratspräsident Lukas Mühlemann sei nicht ganz unerwartet aber doch etwas überraschend gewesen. Sein Rücktritt per Ende Jahr habe nur zu Beginn ein kleines Strohfeuer ausgelöst. CS gingen 6,33 Prozent tiefer auf 30,35 sfr aus dem Handel. Dass die Aktie keinen Gewinn verbuchen konnte, führten Händler vor allem auf das schlechte Umfeld, die Gewinnwarnungen in der Branche und auf den Verfall zurück. Mit UBS, Bär und OZ Holding gaben auch andere Banken nach. Fester waren dagegen einzelne Versicherungen, die von einer technischen Gegenbewegung erfasst worden seien.

PARIS - An der Börse Paris notierte der CAC-40-Index auf einem Vierjahrestief bei 2927 Punkten um 2,5 Prozent leichter. Nach einer Gewinnwarnung brachen die Aktien des Catering-Unternehmens Sodexo um rund dreissig Prozent ein. Gemieden wurden auch Technologie- und Bankwerte. So verloren die Titel des Telekomausrüsters Alcatel im Zuge von Liquiditätssorgen über 17,7 Prozent. Der IT-Dienstleister Cap Gemini büsste 8,2 Prozent ein. Kursverluste zwischen 3,3 und 7,3 Prozent mussten die Banken Credit Lyonnais, Societe Generale und BNP Paribas hinnehmen. Händler verwiesen dabei auf den Gewinnrückgang bei der US-Investmentbank Morgan Stanley.

FRANKFURT - Trübe Konjunkturaussichten und der schwelende Streit zwischen den USA und dem Irak wegen der Rüstungsinspektionen drückten den Deutschen Aktienindex (Dax) am Donnerstag um 2,5 Prozent ins Minus auf 3047 Zähler - den niedrigsten Stand seit Frühjahr 1997. In Erwartung des dreifachen Verfalls an den Terminmärkten am Freitag schwankten die Kurse bei lebhaften Umsätzen stark. Am stärksten standen am Donnerstag Technologietitel, darunter SAP, und die Bankenwerte unter Druck. Erstere wurden von einer Senkung der Gewinnprognose durch den US Electronic Data Systems-Konzern (EDS) und letztere unter anderem von einer Herabstufung mehrerer Grossbanken belastet. Gegen den Markttrend legten die Titel der Allianz zu. Die Papiere von MLP brachen dagegen ein.

BENELUX - Auch die Benelux-Börsen waren schwächer. Der Amsterdamer AEX-Index verlor 1,8 Prozent auf 310 Zähler und der Brüsseler Bel20-Index büsste 1,7 Prozent auf 1981 Punkte ein. Während der Hightechwert Getronics 10,5 Prozent absackte, gaben ASML 7,6 Prozent nach. Händler verwiesen auf die Gewinnwarnung des US-Konzerns EDS vom Vortag. Versicherungswert Aegon stieg dagegen um drei Prozent, nachdem die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney die Titel hoch gestuft hatte.

MAILAND - Angeführt von Abgaben bei IntesaBCI verlor der Mib30-Index 1,7 Prozent auf 23.064 Punkte und lag damit auf einem neuen Fünfjahretief. Die Reduzierung der Gewinnziele sowie die Rückstufung des Sektors durch die US-Investmentbank J.P. Morgan lastete schwer auf den Bankwerten. Intesa gaben 4,7 Prozent nach, San Paolo verloren vier Prozent und Unicredito fielen um 3,6 Prozent. Die Titel der Bank Monte dei Paschi di Siena büssten 0,8 Prozent ein.

MADRID - Die Madrider Börse schloss zum siebten Mal in Folge schwächer und der Börsenindex verzeichnete den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Der Versorger Endesa verlor fast fünf Prozent. Die im Bereich Bezahlfernsehen aktive Sogecable gab fast zehn Prozent ab. Der Ibex-35 verlor 86,5 Punkte auf 5819 Zähler. Telefonica verloren lediglich 0,6 Prozent.

SKANDINAVIEN - Konjunktursorgen und Gewinnwarnungen drückten am Donnerstag die skandinavischen Börsen in die Nähe von Zweijahres-Tiefständen. Der Stoxx Nordic Index verlor 1,1 Prozent. Nokia und Ericsson kamen mit Verlusten von weniger als ein Prozent noch glimpflich davon. Die Aktien der Bankengruppe Nordea verloren fast fünf Prozent; die Gruppe gab einen Stellenabbau im Investmentbanking von 18 Prozent bekannt.

WIEN - Am Wiener Aktienmarkt lag der ATX-Index 0,7 Prozent im Minus bei 1082 Punkten. Schwächer notierten die beiden Versorger Verbund und EVN. Auf dem Index lasteten auch Erste Bank mit minus 1,7 Prozent und Telekom Austria mit minus 1,5 Prozent.

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