Sträfliche Missachtung der Erregungskurve bei Bundesliga-Fans
Später "ran"-Sendeplatz verstößt gegen Fußballfan-Psychologie

Eine sträfliche Missachtung der Erregungskurve von Bundesliga-Fans ist laut Experten verantwortlich für den Misserfolg des neuen "ran"-Sendeplatzes. Die Verschiebung der Fußball-Sendung auf 20.15 Uhr laufe allen psychologischen Grundvoraussetzungen für die Bundesliga-Berichterstattung zuwider, erklärte am Montag das Rheingold-Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen in Köln. Denn entscheidend seien "unmittelbare Erregungs-Verarbeitung" und "zeitnahe Erregungs-Komprimierung", denen der Sendeplatz nicht gerecht werde.

ap KÖLN. Laut Rheingold-Institut ist der Fußball-Samstag für echte Fans der "Erregungs-Höhepunkt der Woche". Diese gerieten während des Spieltages "in einen vehementen Prozess des Mitfieberns und Mitleidens" und seien nach den Spielen in einem "Zustand hochgradiger emotionaler Aufgewühltheit". Mit dem früheren Sendeplatz um 18.30 Uhr habe "ran" die Erregung unmittelbar verarbeiten und die Fans beruhigen können, so dass diese sich wieder anderen Themen zuwenden konnten. "Die Verschiebung des Sendeplatzes zwingt viele Fans jetzt dazu, andere Wege der Erregungsverarbeitung zu suchen", erklärten die Marktanalytiker.

Erregungskurve bricht zusammen

Auch den besonders hartgesottenen Fans, die sich der Echtzeit-Erregung nicht stellten, sondern stattdessen die Dramatik der Spiele zeitlich komprimiert und dramaturgisch zugespitzt erleben wollten, mache die Verlegung auf 20.15 Uhr einen Strich durch die Rechnung. Diese hätten sich bewusst nicht über die Spielergebnisse informiert und ihren Erregungs-Stau dann zeitnah durch Anschauen der "ran"-Sendung um 18.30 Uhr gelöst. "Die Verlegung von "ran" führt jetzt dazu, dass die Erregungskurve zusammenbricht, da viele Zuschauer die Ergebnisse nicht bis 20.15 Uhr ignorieren können", schreibt das Institut. Sie müssten sich dann über Kurznachrichten, Videotext und Internet Erleichterung verschaffen.

Wenn die Erregung aber bereits vor 20.15 Uhr aufgelöst werde, mutiere "ran" für die Zuschauer zu einer "entdramatisierten Langeweile-Sendung, die mit großem Getöse versucht, die bereits gelöste Spannung wieder aufzubauen", erklärten die Psychologen.

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