„Straftat mit Charme“
„Millionen-Manni“ auf freiem Fuß

Der als "Millionen-Manni" bekannt gewordene Ex-Polizist und Millionendieb Manfred Küppers ist auf freiem Fuß. Das Düsseldorfer Landgericht verurteilte den 41-Jährigen wegen besonders schweren Diebstahls am Donnerstag zwar rechtskräftig zu fünf Jahren Gefängnis, hob den Haftbefehl aber auf und setzte die Reststrafe zur Bewährung aus. Küppers quittierte das Urteil mit einem Lächeln und sichtlicher Erleichterung.

dpa DÜSSELDORF. Der Mönchengladbacher hatte im August 1995 seinen Nebenjob als Geldtransportfahrer für einen spektakulären Millionen-Coup ausgenutzt: Er griff sich 3,5 Mill. DM (etwa 1,8 Mill. ?) und verschwand vom Hof eines Düsseldorfer Kaufhauses nach Brasilien.

Zielfahnder spürten ihn dort Jahre später auf. Vor Gericht stieß der Ex-Polizist am Donnerstag teilweise auf Verständnis. Zwar sei der Coup fein geplant und mit hoher krimineller Energie vollendet worden, aber: "Diese Straftat hat einen gewissen Charme. Hier ist etwas passiert, von dem jeder einmal träumt, nämlich auf einen Schlag reich zu werden", sagte Richter Jochen Schuster. "Wenn ein Drogenhändler ein Kilogramm Heroin verkauft, ist das wesentlich schlimmer, als wenn ein Polizist einmal schwach wird."

Der Autobahnpolizist Küppers sei ein Mensch gewesen, der Schulden und Ansprüche gehabt habe, sagte der Richter: "Er liebte Brasilien wegen des schönen Wetters und der schönen Frauen und wollte dort leben. Abenteuerlust hat auch eine Rolle gespielt." Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre Haft gefordert, sein Verteidiger maximal fünf Jahre. Das Gericht verurteilte zudem einen Komplizen, der den Fluchtwagen gefahren hatte, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Beihilfe.

Das Gericht ließ durchblicken, dass es Zweifel an den Beteuerungen der beiden Angeklagten hat, wonach die Millionen-Beute restlos aufgebraucht sei. "Aber wir können ihnen das Gegenteil nicht beweisen." Küppers und sein Komplize riskieren aber ihre Freiheit und zivilrechtliche Prozesse mit Versicherungen, wenn doch noch Teile der Beute bei ihnen entdeckt werden.

Der Rheinländer hatte bereits fast zwei Jahre in brasilianischer Haft gesessen und sich dort unheilbar mit Hepatitis C infiziert. Die wesentlich härteren Haftbedingungen in Südamerika wurden mit etwa drei Jahren deutscher Haft veranschlagt, zudem saß Küppers nach seiner Auslieferung weitere Monate in deutscher Untersuchungshaft.

Der blond gelockte Angeklagte hatte zudem im Gerichtssaal ein umfassendes Geständnis abgelegt und Reue gezeigt. 14 Jahre lang hatte der nicht vorbestrafte Beamte seinen Dienst für Recht und Gesetz versehen, bevor er die Seite wechselte. Mit den Worten "Dann können sie jetzt beide nach Hause gehen", entließ der Richter das Duo von der Anklagebank.

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