Strafverfahren lädieren die Karriere
Chef sein wird zum unkalkulierbaren Risiko

Jetzt also auch die WestLB: Weil sie ein riskantes Geschäft nicht verhindert haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Manager der Düsseldorfer Bank. Das Verfahren ist das neueste einer ganzen Serie: Dabei übernehmen Staatsanwälte mehr und mehr die Rolle von Aufsichtsräten.

Das Verfahren gegen die WestLB bestätigt: Wo Aufsichtsräte nicht rechtzeitig eingreifen, kommt mitunter der Staatsanwalt zum Zug. Früher, so urteilt Rechtsanwalt Jürgen Wessing von der Düsseldorfer Kanzlei Wessing II Verjahns, schalteten sich Staatsanwälte nur nach Insolvenzen ein. "Heute prüfen sie einzelne unternehmerische Entscheidungen in bestehenden Unternehmen", berichtet der Wirtschaftsstrafrechtler, der auch an Strafprozessen wie dem gegen die ehemaligen Babcock-Borsig-Vorstände beteiligt ist.

"Geschäftliche Fehler", sagt Wessing, "werden nicht mehr auf der Hauptversammlung abgestraft, sondern - erforderlichenfalls - im Gericht." Staatsanwälte seien selbstbewusst geworden und begriffen sich zunehmend als Korrektiv für das Wirtschaftsleben, konkretisiert der Düsseldorfer. Und das werde künftig noch viel häufiger geschehen, erwartet er.

Die Staatsanwälte erledigen diese Wirtschaftsfälle oft - und gerne - durch Deals mit den Betroffenen: Diese geben Taten zu und kommen im Gegenzug mit Geldzahlungen oder Bewährungsstrafen davon. Dann haben alle das Verfahren schnell und leise vom Tisch. "Das Geld floss früher meist in karitative Kassen, aber heute eher in den Staatssäckel", berichtet Wessing.

Seite 1:

Chef sein wird zum unkalkulierbaren Risiko

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%