Strammer Schritt
Honour and Glory im Saunagang

Singapur Marathon - ein schweißtreibender Lauf durch subtropische Parks , vorbei an einzigartiger Hochhausarchitektur.

Zu einer Kette aufgereiht, Bug fast an Heck, stehen Dutzende von Containerschiffen und Tankern weit draußen in der Bucht und warten auf einen Liegeplatz zum Löschen und Laden in einem der größten Häfen der Welt. Unverhangene Sonne, eine Seltenheit in diesen frühen Dezembertagen, bringt das nur wenig kräuselige Wasser zum Spiegeln und fügt den Horizont im Gegenlicht zu einer Schwarz-Weiß-Silhouette von Schiffen zusammen, die an ihrer Perlenschnur ein wenig zu wackeln und zu wabern scheinen.

Auf der Insel Singapur, im East Coast Park, ist Sonntagsleben. Eine Gruppe von Kindern umringt den Schwimmlehrer und kreischt und kichert. Es wird gegrillt. Väter führen ihre Kinder in die Kunst des Zweiradfahrens ein, Skater versuchen sich in Pirouetten und plumpsen beleidigt hin. Unter einem Großzelt haben sich Muslims zu einer emsigen Veranstaltung zusammengefunden.

Beiläufig nur, wenn überhaupt, nimmt das Publikum die Verrückten zur Kenntnis, die ihnen über den Weg laufen, respektive: gehen. Das letzte Fünftel des Marathonfeldes - Anfänger, Ältere, vielleicht auch nur Genießer - ist längst zu Gehern oder leichten Trabern geworden. Die Kombination aus Hitze (32 Grad) und extremer Luftfeuchtigkeit (bis zu 100 Prozent) zwingt ihnen einen eigenen Rhythmus auf.

Im strammen Schritt genießen wir es also, Teil eines sonntäglichen Lifestyles zu sein, dem Singapurer gerne im East Coast Park frönen, in einem der über 20 penibel gepflegten Erholungsparks der Stadt. Fast so häufig wie an den Warnungen vor herabfallenden Kokosnüssen traben wir an den Ermahnungen vorbei, Stadt und Parks sauber zu halten. Andernfalls sind drakonische Erziehungsmaßnahmen und Strafen zu erwarten, wie man weiß. Nur Marathonis dürfen heute die Parks mit ihren Trinkbechern bedecken, und einige einheimische Mitläufer machen davon aufs Lustvollste Gebrauch - gerade so, als hätten sie sich auf diese staatlich erlaubte Verunreinigung das ganze Jahr gefreut.

Der Singapur Marathon ist ein Stadtrundlauf durch die subtropische Peripherie des Inselstaates, und damit unterscheidet sich der 42 195-Kilometer-Parcours von den großen Laufveranstaltungen, die durch das Herz der Städte führen. Hier in der südostasiatischen Metropole wären solche Läufe wegen der schwülfeuchten Hitze unattraktiv. Die touristischen Highlights - Chinatown etwa, das goldschwere Little India oder Orchard Road - heben wir uns für den nächsten, ruhigeren Tag auf, ganz zu schweigen vom Besuch im Regenwaldpark "Bukit Timah Nature Reserve" im Norden der Insel.

Und so begnügen wir uns in der nachtdunklen Frühe des Sonntagsmorgens damit, den Start in und vor eindrucksvoller Stadtarchitektur zu genießen. Der Startschuss, mit dem sich rund 16 000 Teilnehmer in Bewegung setzen, fällt vor dem Konzert-, Kauf- und Veranstaltungszentrum Esplanade, dessen wabenförmig gegliederten Kuppelstrukturen der eine mit einer aufgeschnittenen Ananas vergleicht, der andere mit den Panzern von Gürteltieren, der nächste mit den vergrößerten Augenpaaren einer Stubenfliege.

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