Stratege des Internetdienstes I-Mode
Takeshi Natsuno: Der spielverrückte Perfektionist

Wenn er von den Internetdiensten auf seinem Handy schwärmt, ist ihm gar nichts peinlich. Laut, schräg und recht ausdauernd singt Takeshi Natsuno dann John Lennons "Imagine", während sein vom häufigen Gebrauch schon ziemlich verkratztes Mobiltelefon den Text und die Hintergrundmusik liefert. "Karaoke für unterwegs, eine tolle Sache", ruft er und grinst breit.

HB HANNOVER. Und schon bearbeitet der 37-jährige Japaner wieder die Handy-Tastatur auf der Suche nach dem nächsten Highlight: Donald Duck als Handy-Logo. Natsuno lädt sich einige Motive herunter, während er das Quaken der cholerischen Ente fast originalgetreu nachmacht. Am Ende der Vorstellung kommt noch das Urgeschrei eines Affen. "Godzilla, das ist mein Lieblingsklingelton", sagt er.

Natsuno ist Mister I-Mode, Erfinder und Stratege des weltweit bisher erfolgreichsten mobilen Internetdienstes - und mit seinem Spieltrieb wohl einer seiner besten Kunden. Gemeinsam mit der Marketing-Expertin Mari Matsunaga hat er den Service, der heute mehr als 31 Millionen Japaner begeistert, für den Mobilfunkkonzern NTT Docomo entwickelt und dem Unternehmen damit eine neue Geldquelle erschlossen.

Jetzt versucht Natsuno, diesen Erfolg in Europa zu wiederholen. Der drittgrößte deutsche Mobilfunknetzbetreiber E-Plus, an dem NTT Docomo indirekt beteiligt ist, verkauft seit vergangener Woche Handys und Abos für den I-Mode-Dienst in Deutschland.

Der spielverliebte Japaner hat fast jedes der deutschen I-Mode-Angebote selbst ausprobiert und die Übertragungsgeschwindigkeit sowie die eigens dafür angefertigten Mobiltelefone getestet. Kurz vor dem Start des Services pendelte er fast im Wochenrhythmus zwischen Tokio und der Düsseldorfer E-Plus-Zentrale. "Der Mann ist ein unglaublicher Perfektionist, trotz seiner Verspieltheit", sagen E-Plus-Leute, die mit ihm zusammengearbeitet haben. Das Wirtschaftsmagazin Business Week kürte ihn zu einem der einflussreichsten Männer im Internet-Business.

Mr. I-Mode hatte aber nicht immer Erfolg. Nach einem Wirtschaftsstudium in den USA gründet er 1996 einen Internet-Service-Provider in Japan. Das Unternehmen soll sich über Werbung finanzieren. Doch nur etwa ein Jahr später ist das Startup pleite und Natsuno um einige Erfahrungen reicher. Eine lautet: "Auf die Finanzierung über Werbung ist kein Verlass." Das bessere Geschäftsmodell sei: "Lass deine Kunden Abo-Gebühren zahlen, hol Partner ins Boot, beteilige sie am Umsatz, und schaffe eine Win-Win-Situation für alle!" Bei NTT Docomo heißt das: Der Konzern gibt 91 Prozent der Abo-Gebühren, die I-Mode-Nutzer zahlen, an die Inhalte-Lieferanten ab, verdient aber mit dem drahtlosen Internet-Service noch viel Geld.

Stundenlang kann Natsuno über das Geschäftsmodell für I-Mode philosophieren - über das ideale Gewicht von Mobiltelefonen für jede Kundengruppe und über die Inhalte, mit denen er sich in Sitzungen die Zeit vertreibt. Sein Lieblingsbegriff ist "Wertschöpfungskette". Er sieht sich als ihr Koordinator - einer, der versucht, Technik, Inhalte und Endgeräte aufeinander abzustimmen, und nichts dem Zufall überlässt.

Mr. I-Mode liebt - erstaunlich für einen Japaner - klare Worte und kommt stets ohne lange Vorreden zum Thema. Mit Vergnügen, so scheint es, schimpft er auf die Branche, in der er arbeitet. Sie sei zu konservativ und zu sehr darauf bedacht, alle Dinge stets allein zu stemmen. Während er erzählt, rutscht er auf der Sesselkante hin und her, seine Stimme überschlägt sich immer wieder, vor allem, wenn er über das gescheiterte I-Mode-Pendant Wap lästert: "Dadurch ist es nicht leicht, die Menschen hier zu Lande davon zu überzeugen, dass mobiles Internet Spaß machen kann. Das werden wir ihnen mit I-Mode aber beweisen." Und das nicht nur in Deutschland. Natsuno bereitet bereits I-Mode-Projekte in den Niederlanden und Belgien vor.

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