Strategen raten zu Einzelhandels-, Pharma- und Autotiteln
Keine Trendwende bei japanischen Aktien

Zu dem schlechten Wirtschaftsausblick der Bank of Japan und dem scharfen Rückgang der Industrieproduktion haben am Montag die Quartalsergebnisse des Elektronikherstellers JVC gepasst.

TOKIO/DÜSSELDORF. Das Unternehmen berichtete über unerwartet hohe Verluste. Es geht nun davon aus, auch im Gesamtjahr rote Zahlen zu schreiben. Den vielen Hiobsbotschaften entsprechend sank der Nikkei-Index um fast 2 %.

Die meisten Broker und Analysten sind sich darin einig, dass die Trendwende am Aktienmarkt trotz der markanten Kurserholung des Gesamtmarktes seit Mitte September nicht eingeleitet ist. Grund für den Pessimismus sind die kritische Wirtschaftslage, die ungelösten Probleme der Banken und ungünstige Ertragsperspektiven vieler Unternehmen.

Teufelskreis in Japan

"Dem Markt droht noch mehr Ungemach. Vor allem im Technologiebereich ist die jüngste Rally fundamental nicht gerechtfertigt", meint Aktienhändler Sven Krüger von der Deutschen Bank. Händler wie Analysten sehen solange keine Erholung, wie es Regierung und der Bank of Japan nicht gelingen, die Ursachen für die Misere der Wirtschaft zu beseitigen. "Die Regierung treibt die strukturellen Reformen nicht an, und die japanische Notenbank will deshalb keine expansivere Geldpolitik betreiben. Solange die Bank aber nicht inflationiert, will die Regierung die Probleme nicht angehen", umreißt Krüger den Teufelskreis in Japan.

Holger Bahr von der DGZ Deka Bank sieht die gegenwärtige Konjunturlage zwar ebenfalls sehr kritisch - "Die Industrieproduktion fällt auf das Niveau der achtziger Jahre zurück. Japan steckt mitten in der Rezession". Doch die Aktienmärkte erwarteten inzwischen gar nicht mehr, dass sich die Konjunktur in diesem oder nächsten Jahr erholen wird. "Weitere, härtere Kurseinbrüche sind auch bei neuen und schlechten Meldungen unwahrscheinlich. Stattdessen bergen mögliche energische Regierungsmaßnahmen, die die notwendige Sanierung des Bankensystems erfordern, viel Phantasie. Denn wenn die Börse der Meinung ist, dass Japan nach Reformen gestärkt aus der Krise hervorgeht, werden die Aktien an Wert gewinnen", meint der Volkswirt.

Analysten bleiben skeptisch

Die meisten Analysten bleiben allerdings skeptisch und sehen die nahe Zukunft - und in der rutscht Japan in die nunmehr vierte Rezession innerhalb eines Jahrzehnts. Angesichts der Unsicherheiten warnt Kathy Matsui von Goldman Sachs vor einem zu frühen Engagement in zyklischen Werten. Er rät stattdessen zu Branchen und Unternehmen, die für eine stetige Expansion stehen.

Im Einzelhandel sei dies die Supermarktkette Aeon (vormals Jusco), und im Konsumgüterbereich Japans führender Kosmetikhersteller Shiseido. Im Pharmabereich verweist Matsui neben dem Branchenführer Takeda Chemical auf Eisai. Dieser Pharmahersteller bereitet gegenwärtig in den USA eine Ausweitung der Anwendung für das bisherige Alzheimer-Präparat "Aricept" vor. Dies würde, so Takui Yamagishi, Analyst des Biotechnik-Teams bei Shinko Securities, eine lukrative Erweiterung des Marktes bedeuten. Neben "Aricept" und dem auch in Europa vertriebenen Präparat zur Behandlung von Magengeschwüren ("Pariet/Aciphex") habe Eisai weitere Präparate in der Pipeline, die eine stetige Expansion erwarten ließen, erklärt Yamagishi.

Autohersteller werden empfohlen

Toshihisa Yamaguchi, Analyst der Sakura Bank, empfiehlt den konsumnahen Hightech-Wert Canon. Der Elektronikkonzern nahm zwar am Montag seine Ergebniserwartungen zurück und verwies dabei auf die weltweite Konjunkturabkühlung. Doch als führender Hersteller von PC-Druckern unterscheide sich das Geschäftskonzept von Canon grundlegend von anderen IT-Werten.

Daneben raten Analysten zu Autoherstellern. Hajme Wakiya von Tachibana Securities favorisiert den zur Toyota-Gruppe gehörenden und nur in sehr geringem Ausmaß vom US-Export abhängigen führenden Kleinwagen-Hersteller Daihatsu Motor. Dieser wird 2002 eine Serie neuer Modelle einführen. Wakiya verweist auf die gute Positionierung Daihatsus vor allem im Hinblick auf die Märkte in China und Indonesien.

Howard Smith von ING Baring rät zum Kauf von Mazda (Ford - Gruppe). Er sieht sich nach der gerade nach oben gerichteten Korrektur der Ertragsprognose des Unternehmens bestätigt. Maßgeblich für die besseren Unternehmensaussichten seien neben den Kostensenkungserfolgen auch neue Produkte. Wie Nissan und Mitsubishi Motor geht auch Mazda im Geschäftsjahr 2002/03 mit der geplanten Markteinführung von sechs neuen Modellen zu einer Wachstumsstrategie über.

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