Strategen setzen auf Wirkungen der Zinssenkungen und der höheren Staatsausgaben
An der Wall Street herrscht vorsichtiger Optimismus

Zum Wochenschluss erlebten Investoren in New York ein Wechselbad der Gefühle: Für gute Stimmung sorgten zunächst die Zinssenkungen in Europa, ein verbesserter Vertrauensindex der Konsumenten und die Nachricht, dass Widerstandskämpfer mit US-Hilfe die Taliban-Bastion Mazar-e-Sharif eingenommen haben.

hus NEW YORK. Doch dann dämpften schwache Quartalsergebnisse beim Unterhaltungs- und Medienkonzern Disney und dem Lebensmittelhersteller H.J.Heinz & Co. die Begeisterung. Außerdem hatte das Protokoll der Zentralbankratsitzung gezeigt, dass die Lagerbestände der Technologieunternehmen nach dem 11. September wieder gestiegen sind. Die insgesamt richtungslosen Zick- Zack-Bewegungen dürften sich noch eine Zeit lang fortsetzen.

Die Aktienmärkte haben die Verluste seit dem 11. September schnell wieder eingeholt, die Nasdaq hat seit ihrem Tiefststand am 28. September schon wieder 28 % zugelegt. Damit dürfte jetzt erst einmal die Luft raus sein, warnen Strategen. Es könnte zu neuen Rückschlägen kommen.

"So billig wie die Aktien Ende September waren, werden sie wahrscheinlich trotzdem so schnell nicht mehr werden", sagt Fred Kuehndorf von der Fondsverwaltung Ashland Management, doch weitere Rückschläge sollten Investoren zum Kauf nutzen. Viele Händler und Marktstrategen glauben, dass Aktien auch jetzt schon teilweise sehr attraktiv geworden sind.

Als Manager eines Fonds, der ausschließlich auf große Wachstumswerte setzt, hält Kuehndorf nur Aktien im Portfolio, die ein Gewinn-Wachstum aufweisen. Unternehmen, die zweimal hintereinander einen Gewinn-Rückgang melden, fliegen raus. Diese Strategie war längere Zeit erfolgreich, allerdings hat Kuehndorfs Fonds in diesem Jahr etwa 18 % eingebüßt. "Das liegt nicht an der Qualität der Aktien, sondern am allgemeinen Trend." Kuehndorf ist überzeugt, dass schon in der ersten Hälfte 2002 eine Konjunktur-Erholung eintreten könnte. Zum einen, weil die Zinssenkungen dann wirken könnten, zum zweiten, weil das Staatsausgaben-Budget jetzt um einen Betrag erhöht wird, der 2% des Brutto-Sozialprodukts ausmacht.

"Dann liegen Sie mit Einzelhandels-Werten wie Wal-Mart oder Target richtig, außerdem empfehle ich Harley Davidson, Citigroup und Freddie Mac." Weil die Medizin-Branche am wenigsten von der Konjunktur und von den Gewinn-Einbrüchen betroffen sei, gewichte er dort derzeit besonders stark. Johnson& Johnson und Pfizer hält er für attraktiv. Im Technologie-Sektor hat er First Data, EDS, Microsoft und IBM im Bestand.

Portfoliomanager Kuehndorf wertet es allerdings als Hoffnungszeichen, dass die zinsfreien Finanzierungs-Angebote zu außerordentlich guten Autoverkaufszahlen geführt haben. Chefstratege Robert Robbins von der Vermögensverwaltung SunTrust Robinson Humphrey beobachtet: "Investoren verlegen sich schon wieder auf aggressivere Wachstums-Werte, das bedeutet, dass wir bald wieder einen Bullen-Markt haben könnten."

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