Strategie
Comeback im offensiven Mittelfeld

Er galt als ausgestorben oder zumindest bedroht. Maximal einen könne man sich noch leisten im modernen Fußball, hieß es. Doch er hat sich neu erfunden, und bislang ist es auch seine EM. Die EM des Spielmachers. Holland, Spanien, Kroatien, Portugal: Die vier EM-Gruppensieger bauen auf ihre Spielmacher.

TENERO. Holland, Spanien, Portugal, Kroatien: In allen Gruppen stehen nach zwei Partien die Sieger fest, alle vier haben enorm intelligenten Fußball gezeigt, und allen vieren ist gemeinsam, dass sie die Spiele vor allem durch ihre Qualität im offensiven Mittelfeld entschieden haben - wo sie häufig nicht nur einen Spielmacher aufbieten, sondern gleich mehrere.

So wie etwa die Niederländer mit Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart. Beide galten lange als inkompatibel, schon zu gemeinsamen Zeiten bei Ajax Amsterdam. Van der Vaart verließ schließlich den Verein in Richtung Hamburg, müde von den ewigen Debatten, wer von beiden nun der Bessere sei. Aber die Malaise verschob sich damit nur auf eine andere Ebene - die Nationalelf. Das klassische holländische 4-3-3 bot Platz nur für einen Regisseur: Sneijder oder van der Vaart. Der andere musste draußen bleiben oder eine Position bekleiden, auf der er sich nicht voll entfalten konnte.

Es war eines der Probleme, an denen die "Elftal" litt, die bei der WM 2006 früh ausschied und sich durch die Qualifikation zur EM mühte. Holland hatte seinen Glanz verloren, den es jetzt, mit einem 3:0 gegen Weltmeister Italien und einem 4:1 gegen Vize-Weltmeister Frankreich, so eindrucksvoll restauriert hat.

Die Spieler selbst hatten auf eine Änderung des Systems gedrängt, allen voran Edwin van der Sar, der erfahrene Torhüter von Champions-League-Sieger Manchester United und Intimus von Nationaltrainer Marco van Basten. Einige Male empfing er den Coach zu Besuch in England. Schließlich überzeugte er ihn, einem Trend zu folgen, den Klubmannschaften wie Manchester in letzter Zeit gesetzt haben - und das starre Positionsspiel aufzuheben.

Van Basten warf unter wütender Kritik von Gralshütern wie Johan Cruyff das nationale Kulturgut 4-3-3 über Bord und entfesselte dadurch die Kreativität seiner Spielmacher. Van der Vaart und Sneijder rochieren klug, halten das Spiel permanent in Bewegung und sind für den Gegner kaum zu greifen, weil sie fast nie an dem Ort stehen, wo der sie erwartet. Sie agieren in den Schnittstellen zwischen Mittelfeld und Angriff und sind dabei ungleich vielseitiger als der klassische Spielmacher, der in der Mitte des Feldes wartete, bis die Mitspieler den Ball bei ihm ablieferten. Sie können etwa auch verteidigen, wenn die Spielsituation es verlangt. Als van Basten gegen Frankreich mit Arjen Robben einen Halbstürmer für den Abräumer Engelaar brachte, rückte van der Vaart auf eine defensivere Position zurück.

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