Strategie der Telekom auf dem Prüfstand
Dax-Ausblick: Keine Wende in Sicht

Um mehr als sieben Prozent hat der Deutsche Aktienindex (Dax) in der abgelaufenen Börsenwoche zugelegt. Analysten sehen in der positiven Tendenz der vergangenen Tage aber noch keine Trendwende, sondern nur eine erneute Erholung. In der kommenden Woche rechnen die Marktteilnehmer mit einer Seitwärtsbewegung des Marktes. Große Kurssprünge würden wahrscheinlich ausbleiben.

vwd/rtr FRANKFURT. Die vergangene Woche stand an den Aktienmärkten im Zeichen einer Korrekturbewegung auf die zuvor ausgebildeten neuen Jahres-Tiefstände. In diesem weiterhin sehr unsicheren Börsenumfeld sorgten konjunkturelle Frühindikatoren aus Europa für eine verbesserte Stimmung. In Deutschland überraschte der Ifo-Geschäftsklima-Index. Der Wert für Westdeutschland stieg auf 88,7 von 86,3 Punkte. Dieser Anstieg sei jedoch allein auf die deutlich bessere Einschätzung der Erwartungen zurückgegangen, meinen die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. Die Lagebeurteilung der Unternehmen habe sich dagegen nochmals eingetrübt.

Die aufgehellte konjunkturelle Stimmung habe jedoch bisher nicht zu einer grundsätzlichen Änderung am deutschen Aktienmarkt geführt. Die positive Tendenz der vergangenen Tage sei eine erneute Erholung, aber bei weitem noch keine Trendwende, so die Analysten. Erst wenn der Dax den seit März 2000 und aktuell bei 5 150 Punkten verlaufenden Abwärtstrend signifikant nach oben durchbrechen könne, sei die Möglichkeit einer stabilen Trendwende gegeben.

Bodenbildung und Aufwärtstrend

Während die technische Sichtweise unverändert eher negativ auszulegen sei, spricht den weiteren Angaben zufolge eine rein fundamentale Betrachtung für eine Bodenbildung und einen beginnenden Aufwärtstrend. Nachdem im Dezember noch eine vorsichtige Haltung gegenüber den Wachstumsbranchen eingenommen worden sei und davon ausgengen wurde, dass Gewinnmitnahmen temporär die Märkte belasten könnten, sei die Beurteilung nunmehr wieder optimistischer, heißt es weiter. Die für Verunsicherung sorgende "Enronitis" decke die Schwächen bei den Unternehmen auf und sensibilisiere die Marktteilnehmer, was wiederum den reinigenden Druck auf die Konzerne verstärke. "Die unsichtbare Hand des Marktes hilft die Prozesse zu regeln. Von dem großen Trend zur Restrukturierung wird auch Europa profitieren", sagen die Experten der Bankgesellschaft Berlin.

Neben der Unsicherheit über den Zeitpunkt und das Ausmaß der konjunkturellen Erholung gibt es in den kommenden Monaten weiter branchenspezifische Probleme, meinen die Analysten der Hamburgischen Landesbank. So stocke bei den europäischen Telekommunikationsunternehmen der Schuldenabbau, was von den Rating-Agenturen kritisch beurteilt werde. Niedrigere Ratings verteuerten letztlich die Refinanzierung der Unternehmen und wirkten sich negativ auf die Ertragssituation aus. Insgesamt werde aber derzeit für die Unternehmen des Stoxx-600 bereits mit einem deutlichen Gewinnanstieg von 22,9 bzw. 20,3 % in den Jahren 2002 bzw. 2003 gerechnet.

"Unserer Einschätzung nach ist dieses Wachstums-Szenario vor dem Hintergrund der fundamentalen Rahmenbedingungen und der gegebenen Unternehmensausblicke zu optimistisch", so die Analysten. Im zweiten und dritten Quartal seien daher keine entscheidenden Impulse für den Aktienmarkt zu erwarten. Vielmehr würden sich positive Konjunkturdaten und Nachrichten über die noch nicht nachhaltig verbesserte Ertragslage der Unternehmen die Waage halten. Erst zum Jahresende rechnen die Analysten dann, einhergehend mit positiveren Ausblicken der Unternehmen, mit einer Erholung am Aktienmarkt. Für den Dax bzw. Stoxx-50 lautet das Kursziel für Ende 2002 unverändert 5 500 bzw. 4 000 Punkte.

Deutsche Telekom im Blickpunkt

Zum Wochenauftakt laden die Automobilkonzerne VW , Daimler-Chrysler und BMW zu Pressekonferenzen auf dem Genfer Automobilsalon.



Nach Angaben von Marktteilnehmern werden Investoren anlässlich der Vorlage von Geschäftszahlen der Deutschen Telekom besonders auf Äußerungen zum Schuldenstand und der künftigen Strategie achten. Die Zahlen seien weniger wichtig als der Ausblick der Telekom, sagte Fondsmanager Scarfone. Von Reuters befragte Analysten rechnen für 2001 trotz Beteiligungsverkäufen mit einem Konzernverlust im Geschäftsjahr 2001 von 2,70 (2000: plus 5,926) Mrd. Euro. Die Telekom wird am Dienstag berichten. Bereits jetzt hat die Telekom einen Schuldenberg von 65 Milliarden Euro angehäuft. Außerdem warte der Markt auf neue Äußerungen zum geplanten Verkauf des Kabelnetzes, nachdem das Bundeskartellamt jüngst den Verkauf an den US-Medienkonzern Liberty untersagt hatte.

Am Dienstag werden ferner Henkel und Fresenius Medical Care über die jüngste Geschäftsentwicklung berichten. Der Chemie- und Konsumgüterhersteller Henkel hat nach Einschätzung von Analysten im vierten Quartal 2001 im operativen Geschäft Gewinneinbußen hinnehmen müssen und wird damit erstmals seit 1993 für ein Gesamtjahr einen Rückgang ausweisen.

Von FMC versprechen sich die Börsianer Klarheit über mögliche Belastungen aus der argentinischen Wirtschaftskrise und einer Reihe von Klagen in den USA. Das Unternehmen wollte sich bisher hierzu nicht äußern. "Wenn die Unsicherheit aus dem Markt ist und wir neue Berechnungen anstellen können, wird die Aktie auch wieder steigen", sagte FMC-Analystin Christiane Dienhart von der Hypo-Vereinsbank.

Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN wird wahrscheinlich am Mittwoch im Blickpunkt des Anlegerinteresses stehen. Nach einem dramatischen Gewinneinbruch im Jahr 2001 warten Marktteilnehmer auf Aussagen zu einem möglichen Comeback in diesem Jahr. Am Donnerstag hatte MAN-Chef Rudolf Rupprecht gesagt, die Geschäftsaussichten im Maschinenbau und der Nutzfahrzeugbranche hätten sich in den vergangenen beiden Monaten verbessert.

Der Donnerstag wird geprägt von den Bilanz-Pressekonferenzen von Adidas-Salomon . Außerdem tagt der Bayer -Aufsichtsrat und entscheidet über die Dividende.

In der folgenden Übersicht finden Sie die Einstufungen der Hessischen Landesbank:



Unternehmen

Gewinn 2001

Gewinn 2002

Gewinn 2003

Empfehlung

Adidas

-Salomon
4,605,345,70neutral
Allianz7,012,413,9neutral

BASF

0,852,082,68übergewichten

Bayer

0,891,622,51neutral

BMW

2,382,662,91neutral

Commerzbank

0,170,260,94neutral
Daimler-Chrysler0,731,863,43untergewichten

Deutsche Bank

0,274,245,58untergewichten
Degussa1,202,532,90übergewichten
Deutsche Post1,401,451,50neutral
Deutsche Telekom-0,54-0,240,06neutral

Eon

2,673,053,31neutral

Epcos

2,281,091,59untergewichten

FMC

2,764,164,84neutral

Henkel

2,133,313,89übergewichten

Hypo

-Vereinsbank
1,021,251,43neutral

Infineon

-0,92-0,80-0,07neutral

Lufthansa

0,110,551,17übergewichten

Linde

2,392,603,13neutral

MAN

1,051,201,75übergewichten

Metro

1,411,672,23übergewichten

MLP

0,991,311,69übergewichten
Münchener Rück.2,6510,9012,30neutral
Preussag1,762,022,58untergewichten

RWE

2,242,522,77übergewichten

SAP

1,852,843,88neutral

Schering

2,112,522,87übergewichten

Siemens

0,11,412,43neutral

Thyssen

-Krupp
0,580,471,24übergewichten

VW

7,666,577,33übergewichten



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