Strategie-Streit - VW-Produktionsstopp
Kein Durchbruch bei Metall-Spitzengespräch

Im Tarifkonflikt um die 35-Stunden-Woche für die Ost-Metaller hat das erste Spitzengespräch nach fast vier Wochen Streik keinen Durchbruch gebracht. Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall trennten sich am Donnerstagabend ohne wesentliche Fortschritte. "Die Positionen liegen noch weit auseinander", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

HB/dpa BERLIN/WOLFSBURG. Am Freitag soll in Berlin erstmals wieder offiziell miteinander verhandelt werden. Die IG Metall will für die Ost-Metaller wie im Westen die 35-Stunden- Woche durchsetzen. Die Arbeitgeber lehnen dies strikt ab. Im Osten sind 310 000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt.

Das Spitzengespräch zwischen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser fand in der kleinen brandenburgischen Ortschaft Sommerfeld bei Oranienburg statt. Auch Gewerkschaftsvize Jürgen Peters nahm daran teil. Der Ort wurde bis zuletzt geheim gehalten, um ohne Kameras Kompromissmöglichkeiten ausloten zu können. Im Unterschied zur Gewerkschaft vermieden es die Arbeitgeber, die Ergebnisse zu bewerten. Zwischen beiden Seiten hatte es bereits seit dem 12. Mai keine direkten Gespräche mehr gegeben.

Als "Zeichen des guten Willens" schaltete die IG Metall bei ihrem Streik einen Gang zurück. Die Proteste beim BMW-Zulieferbetrieb ZF in Brandenburg/Havel wurden vorübergehend ausgesetzt. Wegen des Streiks bei ZF hatte bei BMW in München und Regensburg am Montag die Produktion der 3er-Serie gestoppt werden müssen. Damit beteiligten sich in Berlin, Brandenburg und Sachsen noch knapp 7700 Beschäftigte an dem Ausstand. In den neuen Ländern gilt für die Branche eine Regelarbeitszeit von 38 Stunden.

Der Arbeitskampf belastet zunehmend auch Werke im Westen. Am Freitag stehen zum ersten Mal seit fast 20 Jahren bei VW in Wolfsburg die Bänder wegen eines Streiks still. Mehr als 10 000 Beschäftigte müssen zu Hause bleiben, weil in den ostdeutschen Werken Chemnitz und Zwickau Teile für die Fertigung fehlen. Nach Angaben von VW beträgt der Produktionsausfall insgesamt 20 000 Fahrzeuge der Typen Lupo und Golf.

Die Forderung der Arbeitgeber, den Streik noch vor Verhandlungsbeginn auszusetzen, lehnte die Gewerkschaft ab. Innerhalb der IG Metall kam es deshalb zu offenem Streit. Verhandlungsführer Hasso Düvel wies Kritik des Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz als "unverschämte Beleidigung der Streikenden" zurück. Dessen Forderung, den Arbeitskampf sofort zu stoppen, zeuge von "unglaublicher Naivität". Auch andere Betriebsräte hatten die Streiktaktik schon kritisiert.

Die Arbeitgeber lehnen die Übertragung der 35-Stunden-Woche auf die neuen Länder strikt ab. Sie wollen dies allein von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Ost-Betriebe abhängig machen. Die IG Metall strebt einen Stufenplan wie in der ostdeutschen Stahlindustrie an. Dort soll die 35-Stunden-Woche nach und nach bis zum 1. April 2009 eingeführt werden. Dabei ist die Gewerkschaft zu flexiblen Regelungen für die einzelnen Betriebe bereit.

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