Strategie zur Abwehr feindlicher Übernahmen
Fondsgesellschaft klagt wegen Aktienrückkaufs gegen VW

in wichtiger Teil der VW-Abwehrstrategie gegen feindliche Übernahmen landet vor Gericht. Die Londoner Fondsgesellschaft Liverpool Limited Partnership verklagt die Volkswagen AG beim Landgericht Braunschweig (AZ: 22 O 2025/01).

dpa/afx WOLFSBURG/BRAUNSCHWEIG. Offiziell argumentiert der Fonds, Besitzer von Vorzugsaktien würden durch den VW-Rückkauf von bis zu 10 % eigener Stammaktien benachteiligt. Inoffiziell geht es darum, dass der Fonds nur bei einem Rückkauf auch von Vorzugsaktien gut verdienen würde. Er besitzt bis zu 2 % dieser Papiere, deren Wert dann auch steigen würde.

Doch für VW geht es um mehr. Die am 7. Juni von der Hauptversammlung gebilligte Option auf einen Aktienrückkauf ist ein Baustein in der Strategie des VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piech zur Abwehr feindlicher Übernahmen. VW besitzt bereits 10 % eigene Aktien - mehr erlaubt das deutsche Recht nicht - und könnte diese vor einem weiteren Rückkauf in freundliche Hände geben. Zusammen mit den knapp 20 % im Besitz des Landes Niedersachsen gäbe es dann eine Bastion von 40 % Aktien unter Wolfsburger Kontrolle.

Liverpool auf Hauptversammlung abgeblitzt

Diese Pläne attackierten Vertreter von Liverpool Ltd., einer Tochter der US-Fondsgesellschaft Elliott Associates mit Sitz in Bermuda, und andere Fonds bereits auf der Hauptversammlung. Doch der dazugehörige Antrag zum Rückkauf von Vorzugsaktien wurde von der überwältigenden VW-freundlichen Aktienpräsenz vor allem des Landes Niedersachsen abgeschmettert. VW will, anders als viele andere deutsche Aktiengesellschaften, an den Vorzugsaktien festhalten. Ihre Besitzer bekommen zwar eine höhere Dividende, können aber mangels Stimmrecht nicht über die Firmenpolitik mit entscheiden.

"Wir wollen mit der Klage eine Änderung des Beschlusses der Hauptversammlung erreichen", sagte Tony Wilkinson von Liverpool Limited Partnership der dpa. Zu den Erfolgsaussichten wollte er nichts sagen. Doch so ganz ohne Erfahrung ist Elliott mit einem Fondsvermögen von rund 1,9 Mrd. ? (rund 3,7 Mrd. DM) auf diesem Gebiet nicht.

Fonds führt weitere Verfahren

Aus 11 Mill. $ 1996 übernommener Bankschulden des Staates Peru machte das Unternehmen per Gerichtsbeschluss 58 Mill. $. Nach Berichten der "Financial Times" hat Elliott in diesem Jahr direkt oder über Töchter bereits Gerichtsverfahren gegen Pernod Ricard (Frankreich) und Telecom Italia angestrengt - Ausgang offen.

VW sieht die Klage "äußerst gelassen", wie es am Donnerstag in Wolfsburg hieß. Allerdings hatte ein Top-Manager bereits auf der Hauptversammlung erkannt: "Das sind keine Amateure." Das Unternehmen hat nun erstmal eine mehrwöchige Frist des Landgerichts für eine Stellungnahme. "Vor September wird es da auf keinen Fall einen Termin der zuständigen Kammer für Handelssachen geben", erklärte Landgerichtssprecher Holger Kuhlmann.

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