Strategien
Der Krieg am Golf kennt keine Pause

Die Alliierten bemühen sich eifrig, den Eindruck zu vermeiden, es stünde eine Kampfpause bevor. Solche Diskussionen könnten die Kampfmoral der Soldaten beeinträchtigen.

DÜSSELDORF. "Es gibt keine Pause, der Konflikt geht weiter." Londons stellvertretender Verteidigungsminister Adam Ingram bemühte sich am Montag eifrig, Berichte zu relativieren, nach denen die Offensive der amerikanisch-britischen Streitkräfte im Irak als Folge von Nachschubproblemen stocken würde. Er räumte freilich ein, dass es auch "einmal einen Punkt" geben würde, an dem sich "Soldaten ausruhen und versorgen" müssten.

In der Tat: Von einer "Pause" konnte im Zweistromland auch gestern keine Rede sein. So sollen sich laut BBC britische und amerikanische Verbände heftige und verlustreiche Kämpfe mit irakischen Truppen um das zentralirakische Nadschaf und um die Stadt Hilla geliefert haben. Dabei wurden, so glaubt der britische Sender zu wissen, rund einhundert irakische Soldaten getötet. Die eigenen Verluste werden - wie schon fast üblich - nicht beziffert. Das Londoner Verteidigungsministerium bestätigte allerdings, dass ein britischer Soldat auf der Halbinsel Fao "aus dem Hinterhalt" erschossen worden sei.

Auch die Bombardierung Bagdads durch die Alliierten wurde gestern fortgesetzt. Verschiedene Quellen berichten von heftigen Detonationen unter anderem in einem Einkaufszentrum im Stadtzentrum. Ein TV-Sender aus Abu Dhabi lieferte Bilder von einem brennenden Wohnkomplex in der Nähe des Informationsministeriums. Garniert werden solche wenig griffigen, kaum zu überprüfenden Nachrichten durch eine - aus Sicht der Alliierten - Erfolgsmeldung aus dem nunmehr seit mehr als einer Woche umzingelten Basra: Dort sollen "zahlreiche" irakische Panzer des Typs T-55 zerstört worden sein. "Hunderte" Iraker seien gefangen genommen worden. Und die begleitende "Randnotiz" lautet: Der Flüchtlingsstrom aus der Stadt hält an.

Man mag nun, je nach Interessenlage, aus solchen Nachrichten taktische Vor- oder Nachteile herausfiltern - aus strategischer Sicht bietet die Chronik des zwölften Kriegstages aber nur wenig Neues. Sowohl Bagdad als auch Basra und andere wichtige Städte konnten bisher nicht erobert werden, die "Nordfront" befindet sich immer noch im Aufbau. Und Meldungen über die Rückkehr von bisher rund 6 000 Exil-Irakern über die Grenze zu Jordanien, die Saddam Husseins Truppen insbesondere beim Kampf um Nasirija im Süden des Landes verstärken sollen, lassen sich kaum verifizieren (siehe Tagebuch). Über Einsatzfähigkeit und Ausrüstung solcher Kämpfer ist wenig bekannt. Gleiches gilt für jene militanten Islamisten aus Palästina, dem Jemen und aus Tschetschenien, die sich an die Seite der Iraker stellen wollen.

Ins Gewicht fallen freilich die aktuellen, auf Seiten der Amerikaner zu registrierenden politischen "Kollateralschäden". Ein öffentlich ausgetragener Disput über die richtige Kriegsstrategie, berechtigte oder unberechtigte Vorwürfe an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, er habe seinen Generälen zu wenig Gehör geschenkt, können fatale Folgen zeitigen: schwindendes Vertrauen der Soldaten in die politische und - schlimmer - in die militärische Führung. Dies kann allzu rasch Unsicherheit auslösen. Nicht umsonst versuchten Generalstabschef Richard Myers und der Oberkommandierende am Golf, Tommy Franks, dieser Diskussion die Spitze zu nehmen. An den Militärakademien zählt das Thema "Aufrechterhaltung der Kampfmoral" schließlich zum Lehrstoff.

Genug Sorgen bereitet schon die länger werdende Liste von Verlusten durch eigenes Verschulden und ohne direkte Feindeinwirkung. So auch am Montag: In Katar stürzte ein US-Hubschrauber ab, drei Marines wurden getötet. Das Pentagon nennt als Ursache "Unfall".

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