"Strategisch wichtiger Markt"
Kentucky Fried Chicken plant Großangriff in Deutschland

Tricon Global Restaurants will außerhalb der USA vor allem mit der Marke Kentucky Fried Chicken rasant wachsen. Tricon-Chef David C. Novak kündigt für das laufende Jahr an jedem Kalendertag zwei Restaurant-Gründungen an. In Europa hat das Unternehmen den deutschen Markt im Visier.

DÜSSELDORF. Mit 100 bis 150 Schnellrestaurants will Kentucky Fried Chicken (KFC), Louisville/Kentucky, bis Ende 2005 die Basis für einen Großangriff auf den deutschen Markt für Fast-Food schaffen. Damit würde die Imbisskette die Anzahl ihrer Standorte in Deutschland in einem Zeitraum von fünf Jahren fast verzehnfachen.

"Deutschland ist ein strategisch wichtiger Markt und genießt bei den europaweiten Expansionsplänen des Unternehmens eine hohe Priorität", berichtet KFC-Deutschland-Chef Morten Haure-Petersen, dem Handelsblatt. Bis zum Jahresende soll die Anzahl der KFC-Schnellrestaurants von derzeit 27 auf 36 steigen. Branchenexperten sehen langfristig sogar Marktanteile der Schwergewichte in Deutschland, McDonald?s und Burger King, bedroht. Auch in Frankreich und den Niederlanden will KFC sich stärker als bisher engagieren.

Der spitzbärtige Unternehmensgründer Colonel Sanders mit Hornbrille und Knopfaugen ist das Markenzeichen der Hähnchenbrater aus dem Mittleren Westen der USA. Sanders hat als Symbol für die amerikanische Lebensart schon lange Kultstatus. Anfang der fünfziger Jahre legte er mit seiner Erfolgsstory den Grundstein für ein weltweites Fast-Food-Imperium. Mit Sanders Franchise-Idee und seiner geheimen Würzmischung für Hähnchenteile machten nach seinem Tod im Jahr 1980 auch noch andere gute Geschäfte. Lange Zeit verbrachte KFC unter den Fittichen des zweitgrößten Soft-Drink-Herstellers der Welt.

Als Folge eines Spinn-Offs von Pepsico im Jahr 1997 gehört KFC heute zur Tricon Global Restaurants Inc., Louisville/Kentucky. Genauso wie die Restaurantketten Pizza Hut und Taco Bell. Tricon liegt mit einem Jahresumsatz von rund 22,2 Mrd. $ im Jahr 2000 bei den Schnellrestaurants weltweit auf Platz zwei - hinter McDonald?s und vor Burger King. Seit einem Jahr stieg der Kurs der Aktie an der New Yorker Börse stetig von etwa 25 auf rund 43 $. Mit dem Kauf von einem Prozent der Tricon-Aktien bewies Anleger-Ikone Warren Buffet wieder einmal den richtigen Riecher für gute Investments.

Tricon hat weltweit mehr als 30000 Restaurants

Weltweit kommt Tricon auf mehr als 30 000 Restaurants. Davon entfallen rund ein Drittel auf KFC. In den Vereinigten Staaten steigerte KFC seine Präsenz im Jahr 2000 gegenüber dem Vorjahr zwar noch von 5230 auf 5360, aber außerhalb der USA erhofft sich Tricon-Chef David C. Novak größere Wachstumsraten. Nach einem guten ersten Quartal setzte Novak die Zahl der in diesem Jahr zu erwartenden außeramerikanischen Restaurantgründungen der Tricon-Gruppe von zunächst 850 auf 930 hoch. Allein im ersten Quartal kam es mit rund 200 neuen Schnellimbissen zu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. "Im Augenblick eröffnen wir täglich zwei Restaurants an Orten außerhalb der USA", berichtet Novak. Dabei ist man stolz darauf, dass KFC eine Produktpalette bietet, die weder bei Moslems, Hindus oder Christen auf religiöse Tabus stößt.

Nachdem beispielsweise in China inzwischen in 380 KFC-Filialen Gäste die frittierten Hähnchenteilen knabbern, liegt der Fokus der Tricon-Holding nun auf Europa. Hier ist man gegenüber den Mitbewerbern eindeutig unterrepräsentiert. Nur in Großbritannien verzeichnet Kentucky Fried Chicken heute bereits mehr als 500 Restaurantstandorte

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Den deutschen Markt behandelte das Unternehmen bisher als Stiefkind. Lediglich an 16 Orten signalisierte Anfang 2000 ein KFC-Schnellrestaurant - vornehmlich im Rhein-Main-Gebiet - den dort stationierten US-Soldaten vermeintliche Heimatnähe.

Bei seiner Gründungsoffensive kann der Spezialist für Gerichte aus frischem Hähnchenfleisch auf ungewöhnliche Unterstützung hoffen: Dem internationalen Expansionsstreben der Tricon-Gruppe seit Anfang 2000 verpasste die BSE-Krise einen willkommenen Schub. Denn die deutschen Restaurantgäste suchten eine Alternative zum plötzlich verpönten Rindfleisch.

Nach einer Marktberuhigung stellt Mitbewerber McDonald?s inzwischen "zwei Trends" fest. Zum einen normalisiere sich der Verbrauch von Rindfleisch wieder, berichtet ein McDonald?s-Sprecher, zum anderen verlange der Kunde häufiger Produkte aus Geflügelfleisch. Der weltweit umsatzstärkste Systemgastronom folgt dem Trend und bietet in seinen rund 1100 Restaurants in Deutschland beispielsweise den McChicken oder Chicken-Nuggets an. Unter den acht besonders beworbenen McDonald?s-Sparmenüs befinden sich allerdings nur drei mit Rindfleisch.

Das Auftauchen des aus dem internationalen Geschäft bekannten Mitbewerbers auf dem deutschen Markt sieht die McDonald?s Deutschland Inc., München, hingegen "mit Gelassenheit". Die Burger King GmbH, München, in Deutschland 300mal vertreten, begrüßt ganz lapidar den "fairen Wettbewerb", der ja schließlich auch den Konsumenten zugute komme.

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